"Masern sind die größte Gefahr"

Micaela Serafini, medizinische Leiterin von Ärztin ohne Grenzen in Genf, über neue Epidemien und Gefahren in Konfliktregionen. Im Jemen verbreiten sich Diphtherie und Cholera rasant, die Ebola-Krise in der Demokratischen Republik Kongo ist noch immer nicht unter Kontrolle.

Micaela Serafini beim Europäischen Forum in Alpbach
Micaela Serafini beim Europäischen Forum in Alpbach
Micaela Serafini beim Europäischen Forum in Alpbach – Daniel Novotny

Ebola – ein Virus, der gleichsam furchterregend klingt, wie es weit weg scheint, zumindest von europäischer Perspektive aus. Bereits seit über einem Jahr lähmt die Ebola-Epidemie die Demokratische Republik Kongo. „Das bemerkenswerte an dieser Krise ist“, sagt Micaela Serafini, medizinische Leiterin von Ärzte ohne Grenzen in Genf, „dass sie so lange dauert. Normalerweise endet ein Ausbruch nach drei, vier oder fünf Monaten.“

Gleichzeitig birgt die Krise ein Paradox in sich: Es gibt einen Impfstoff, es gibt effektive Behandlungen und eigentlich war die Infrastruktur nie besser, um die Impfstoffe in die betroffenen Regionen zu transportieren.
Doch die unsichere Lage und die immer größer werdende Unvorhersehbarkeit der Verbreitung von Krankheiten erschweren es den Medizinern, neue Epidemien unter Kontrolle zu bringen. Ebola ist ein Beispiel, aber bei Weitem nicht das einzige.

So ist der Ausbruch von Malaria bzw. dessen Höhepunkt sehr oft bestimmbar, aber durch die Verschiebung von Regenzeiten ändern sich auch die „Muster“ der Ausbrüche. Und damit auch die Anzahl der Fälle, sie steigen nämlich. Inwieweit diese Beobachtung eine direkte Auswirkung des Klimawandels ist, muss noch erforscht werden, sagt Serafini. „Aber wir sehen die Veränderungen.“

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(duö)

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