Atomkraft in Europa: Wer aussteigt, wer dabei bleibt

Eineinhalb Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat Japan den Ausstieg aus der Atomkraft angekündigt ( Zum Artikel). In Europa planen mehrere Länder ebenfalls eine Abkehr von der Kernkraft - andere haben sie nie genutzt. Viele halten weiter an ihr fest.


Keine AKW Ausstieg geplant Kein Umdenken
Einstellungen:
  • Österreich

    ... hat den Verzicht auf Atomkraft in der Verfassung verankert. Das einzige Kernkraftwerk des Landes in Zwentendorf ging nach einer Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb. Mit der Atomwende in Deutschland fühlte man sich in Österreich voll bestätigt und forderte einen EU- oder gar weltweiten Ausstieg aus der Nuklearenergie.

  • Deutschland

    ... will bis Ende 2022 den letzten Meiler vom Netz nehmen. Mit breiter Mehrheit hatte der Deutsche Bundestag im Juni des Vorjahres den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie beschlossen.

  • Die Schweiz

    ... produziert noch 40 Prozent ihres Stroms in fünf AKW, will aber langfristig aus der Atomkraft aussteigen. Nach Laufzeiten von 50 Jahren soll 2019 der erste Meiler vom Netz gehen, 2034 der letzte.

  • Italien

    ... hat seit Jahrzehnten keine Atomkraftwerke. Nach der Katastrophe von Tschernobyl entschieden sich die Bürger 1987 in einem Referendum für den Ausstieg. Vor drei Jahren kündigte Regierungschef Silvio Berlusconi an, wieder in die Kernkraft investieren zu wollen, legte sein Vorhaben nach dem Gau von Fukushima aber auf Eis. Zuletzt sprachen sich rund 94,5 Prozent der Italiener in einem weiteren Referendum gegen neue Meiler aus.

  • In Litauen

    ... entscheiden im Oktober die Bürger über den Bau eines neuen Atomkraftwerks. Der geplante Reaktor mit 1300 Megawatt soll bis 2022 ans Netz gehen. Im Mai war eine klare Mehrheit der Bevölkerung laut einer Meinungsumfrage gegen das Projekt.

  • In Spanien

    ... verfolgt die Regierung seit Jahren die Linie eines schrittweisen Atomausstiegs. Es sollen keinen neuen AKW gebaut und die bestehenden nach 40 Jahren Betriebszeit abgeschaltet werden.

  • Dänemark

    ... hatte 1985 endgültig entschieden, keine eigenen Atomkraftwerke zu bauen. Allerdings gibt es Streit um ein Endlager für Nuklearabfall aus drei kleinen, stillgelegten Versuchsreaktoren.

  • Belgien

    Atomkraft ist mit 54 Prozent die Hauptquelle für Strom. 2003 wurde beschlossen, 2015 mit dem Ausstieg zu beginnen. Bis 2025 sollen alle Reaktoren vom Netz sein. Weil ein Reaktorblock kürzlich wegen möglicher Risse im Reaktorbehälter abgeschaltet wurde, ist allerdings offen, ob der Stufenplan geändert werden muss.

  • Frankreich

    ... als Europas Land mit den meisten AKW hält an der Atomkraft fest. Präsident Nicolas Sarkozy argumentiert, die 58 AKW in seinem Land seien sicherer als andere Kernkraftwerke.

  • Russland

    ... will bis 2030 insgesamt 26 Atomreaktoren bauen. Bisher gibt es 32 Blöcke. Das Land wirbt beim weltweiten Reaktorverkauf mit höchsten Sicherheitsstandards.

  • Die Ukraine

    ... will bis 2030 die Reaktorzahl fast verdreifachen. Nach Abschaltung des letzten Tschernobyl-Reaktors 2000 liefern heute 15 Blöcke knapp 50 Prozent des Stroms. Ausstiegspläne gibt es nicht.

  • Weißrussland

    ... plant bis 2017/18 mit russischer Hilfe für 6,3 Milliarden Euro ein erstes Atomkraftwerk. Der Neubau in Ostrowez liegt an der Grenze zu den EU-Ländern Polen und Litauen.

  • Tschechien

    ... hält am Ausbau des umstrittenen AKW im südböhmischen Temelin fest. Bis 2013 will der Energiekonzern CEZ den Bauauftrag für zwei weitere Druckwasser-Reaktoren vergeben. In der tschechischen Öffentlichkeit regt sich dagegen kein Widerstand.

  • In der Slowakei

    ... werden derzeit im AKW Mochovce ein dritter und vierter Reaktorblock gebaut, die bis 2013 fertiggestellt sein sollen. Im Gespräch ist auch eine Laufzeitverlängerung für die beiden alten Reaktorblöcke in Bohunice über 2015 hinaus.

  • In Großbritannien

    ... gibt es keine breite öffentliche Atom-Debatte. Nach Fukushima ordnete Premier David Cameron eine nochmalige Überprüfung der 19 Meiler an.

  • In Finnland

    ... sollte die Zahl der Atomreaktoren von derzeit vier auf acht verdoppelt werden. Der fünfte wird schon gebaut, und auch an den geplanten sechsten und siebenten Meilern hält Helsinki fest. Der noch nicht beschlossene achte wird aber möglicherweise gestrichen.

  • Schweden

    ... hat keine konkreten Neubaupläne. Weiter gilt aber, dass bei Stilllegung eines der derzeit zehn Reaktoren als Ersatz ein neuer gebaut werden kann.