Extremstes Wetter-Jahrzehnt seit Aufzeichnungs-Beginn

Das vergangene Jahrzehnt war laut UNO-Studie das wärmste seit 1850. Mehr als 370.000 Personen kamen bei Wetterextremen ums Leben. Wetterkatastrophen seien aber nicht zwangsläufig Folge der Erderwärmung.

Einer der vielen Hurricanes des vergangenen Jahrzehnts: Wilma am 21. Oktober 2005 in Mexiko.
Einer der vielen Hurricanes des vergangenen Jahrzehnts: Wilma am 21. Oktober 2005 in Mexiko.
Einer der vielen Hurricanes des vergangenen Jahrzehnts: Wilma am 21. Oktober 2005 in Mexiko. – (c) EPA

Das vergangene Jahrzehnt brachte einen erschreckenden Rekord: Nie gab es mehr Klimaextreme, seit Meteorologen regelmäßig Wetterdaten festhalten. Ein Ende des bedrohlichen Trends sehen UN-Experten nicht.

Von Wirbelstürmen bis Hitzewellen mit insgesamt hunderttausenden Toten hat die Welt zwischen 2001 und 2010 mehr Klimaextreme erlebt als früher. Zugleich war die erste Dekade des 21. Jahrhunderts die wärmste seit etwa 1850, als die regelmäßige Aufzeichnung von Wetterdaten begann. Dabei seien mehr nationale Temperaturrekorde gebrochen worden als in jedem anderen erfassten Jahrzehnt, erklärten Wissenschafter der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Mittwoch in Genf.

Daten aus 139 Ländern

Der seit langem zu beobachtende Trend zur Erderwärmung setze sich fort, mahnten sie. "Steigende Konzentrationen von Treibhausgasen verändern unser Klima mit weitreichenden Folgen", warnte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorlage der umfangreichen Studie "Das globale Klima 2001-2010 - Eine Dekade der Extreme". Dafür hatten meteorologische Dienste in 139 Ländern Daten zusammengetragen.

Demnach stieg die weltweite jährliche Durchschnittstemperatur auf 14,47 Grad Celsius - das sind 0,47 Grad mehr als im Zeitraum von 1961 bis 1990. Zudem beschleunige sich die Erwärmung: Zwischen dem letzten Jahrzehnt und dem Zeitraum von 1991 bis 2000 wurde es weltweit um 0,21 Grad wärmer - das ist Rekord für zwei aufeinanderfolgende Dekaden seit Beginn der Aufzeichnungen.

Neuer Eisschmelze-Rekord

Eine Folge der Erwärmung ist laut WMO eine stärkere Eisschmelze. So sei die Eisdecke in der Arktis in der zurückliegenden Dekade im Vergleich zu den 1960er-Jahren rapide geschrumpft. Im Jahr 2007 habe sie um 39 Prozent unter dem langjährigen Mittel gelegen. Dieser Rekord sei 2012 gebrochen worden, heißt es in dem Bericht weiter.

Zugleich nahm die Zahl tropischer Wirbelstürme im Nordatlantik zu: Sie stieg von zwölf im langfristigen jährlichen Mittel (1981 bis 2010) auf durchschnittlich 15 zwischen 2001 und 2010. Weltweit wurden in der zurückliegenden Dekade fast 170.000 Menschen durch Stürme getötet. Dennoch sank im vorigen Jahrzehnt die Zahl der Toten durch Stürme im Vergleich zum Zeitraum 1991 bis 2000 um 16 Prozent. Dies sei vor allem den Frühwarnsystemen und der besseren Vorbereitung auf Unwetter zu verdanken.

Nicht zwangsläufig Klimaerwärmung schuld

Insgesamt kamen laut WMO mehr als 370.000 Menschen infolge extremer Wetter- und Klimabedingungen ums Leben. Das seien 20 Prozent mehr als in der Dekade von 1991 bis 2000. Die Steigerung basiert vor allem darauf, dass deutlich mehr Menschen durch Hitzewellen starben.

WMO-Chef Jarraud wies aber auch darauf hin, dass Wetterkatastrophen nicht zwangsläufig Folge der Erderwärmung seien. Parallel dazu vollzögen sich "natürliche Schwankungen des klimatischen Systems". Es sei allerdings längst klar, dass die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre das Klima negativ beeinflusse. Welche Rolle natürliche Schwankungen spielten, müssten weitere langfristige Studien genauer klären.

(APA/dpa)

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