Süditalien: Mafia versenkt Atommüll im Meer

Ein ehemaliger Mafia-Boss hat zugegeben, vor Süditalien ein Schiff mit 120 Behältern Atommüll an Bord versenkt zu haben. Diese Art der Entsorgung sei gängige Mafia-Praxis, sagen Umweltschützer.

NUCLEAR WASTE
NUCLEAR WASTE
(c) AP (Ahn Young-joon)

Auf dem Meeresgrund vor der Küste Süditaliens ist das Wrack eines Frachters mit 120 Behältern Atommüll entdeckt worden. Die 110 Meter lange "Cunsky" liegt 28 Kilometer vor der Küste etwa 500 Meter unter dem Meeresspiegel. Das räumte der Staatsanwalt von Paola in Kalabrien am Montag ein.

Woher die atomaren Abfälle stammen, ist unklar. Der Ex-Mafioso Francesco Fonti hat laut Staatsanwalt jedenfalls zugegeben, die "Cunsky" mit einer Explosion zum Sinken gebracht zu haben. Mit Hilfe seiner Aussagen konnte das Wrack nun lokalisiert werden. Die "Cunsky" ist aber offenbar kein Einzelfall: Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll die Mafia insgesamt 32 Schiffe mit Giftmüll im Mittelmeer versenkt haben.

Praxis seit 20 Jahren?

Die Umweltorganisation Legambiente beklagt seit 1994, dass Giftmüll im Mittelmeer versenkt werde. Die Mafia werde seit 20 Jahren dafür bezahlt, auf diese Weise atomaren Müll verschwinden zu lassen, sagt ein Legambiente-Sprecher.

Der Umweltbeauftragte der Region Kalabrien, Silvestro Greco, forderte das italienische Umweltministerium auf, sich um die Nachforschungen zu kümmern, Kalabrien habe dafür nicht die finanziellen Mittel.

(APA/Red.)

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