Türkei hat es mit der Atomenergie plötzlich eilig

Russen und Südkoreaner sind Partner für zwei AKW. Geplant sind vier Reaktoren an der Mittelmeerküste bei Mersin mit jeweils zwölfhundert Megawatt Leistung.

(c) EPA (Tomas Hudcovic/ISIFA)

Istanbul (keet). Die Türkei plant einen rasanten Einstieg in die Nutzung der Kernenergie. Gerade erst hat man sich mit Russland auf den Bau der ersten kommerziellen Atomreaktoren bei Akkuyu geeinigt, da wird auch schon das nächste Großprojekt mit Südkorea nachgeschoben.

Das seit Jahrzehnten geplante Akkuyu-Projekt bekam in den letzten Jahren plötzlich Dampf. Geplant sind vier Reaktoren an der Mittelmeerküste bei Mersin mit jeweils zwölfhundert Megawatt Leistung. Hauptinvestor ist die staatliche russische Atomstroy Export JCS.

Nach Zeitungsberichten soll das zweite Projekt bei Sinope am Schwarzen Meer noch erheblich größer ausfallen. Es geht um sechs Reaktoren mit jeweils 1400 Megawatt Leistung. Der Auftrag soll ohne Ausschreibung an die südkoreanische Kepco und einen türkischen Partner gehen. Die Baukosten sind mit 20 Mrd. Dollar veranschlagt.

 

Meiler im Erdbebengebiet

Bezahlt wird das Geld, indem die Firmen die Meiler anfangs selbst betreiben und für den Strom einen garantierten Abnahmepreis bekommen. Aber auch Akkuyu ist noch nicht ganz gesichert. Kernkraftgegner klagen, wobei sie die Garantie für einen hohen Abnahmepreis als Argument gebrauchen, um das Projekt zu Fall zu bringen. Auch der genaue Standort der Sinope-Meiler ist noch nicht geklärt. Die Gegend ist, wie fast die ganze Türkei, erdbebengefährdet.

Vermutet wird, dass Sinope von den Vereinigten Arabischen Emiraten vorfinanziert wird. Außerdem wird über eine mögliche Beteiligung des türkischen Staates berichtet. Dies deutet darauf hin, dass es mit der Finanzierung wohl noch Probleme gibt.

Auffällig ist die Eile, mit der die Projekte angegangen werden. Sie dürfte mit der Projektion eines stark steigenden Energiebedarfs zu tun haben. Ihre Basis: ein starker Bevölkerungszuwachs und ein für bald wieder erhofftes hohes Wirtschaftswachstum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2010)

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