Methangasblase führte zu Explosion auf Bohrinsel

Aufsteigendes Methangas und eine Verkettung von Pannen führte zum Unglück auf der "Deep Water Horizon". Mittlerweile wurde die 100 Tonnen schwere Stahlglocke erfolgreich in über 1500 Metern Tiefe installiert.

Methangasblase fuehrte Explosion Bohrinsel
Methangasblase fuehrte Explosion Bohrinsel
(c) AP (Dave Martin)

Eine Methangasblase und eine Serie von Pannen haben zu der folgenschweren Explosion auf der im Golf von Mexiko gesunkenen Bohrinsel geführt. Das geht aus einer internen Untersuchung des Ölkonzerns BP auf der Grundlage von Interviews mit Arbeitern der Plattform hervor. Das Methangas stieg demnach plötzlich vom Meeresboden das Bohrgestänge empor, durchbrach mehrere Sicherungen und Sperren, bevor es dann explodierte.

Bei dem Vorfall am 20. April kamen elf Arbeiter ums Leben. Die Bohrinsel ging zwei Tage später unter. Das Unglück führte zu der Ölpest im Golf von Mexiko, die jetzt die Küste von Louisiana erreicht hat. Seit Beginn sind bereits rund 11,4 Millionen Liter Öl ins Meer geströmt.

Stahlglocke über Ölleck liegt am Boden auf

Erster Erfolg im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko: In einer beispiellosen Präzisionsarbeit in 1.500 Meter Tiefe ist es Experten gelungen, eine riesige Stahlkuppel über dem Leck zu platzieren. Diese 100 Tonnen schwere Kuppel soll das ausströmende Öl auffangen, damit es anschließend auf ein Schiff gepumpt werden kann. Allerdings warnten die Verantwortlichen bereits vor Hoffnungen auf eine schnelle Lösung: "Es wird ganz ohne Zweifel einige Komplikationen geben", räumte BP-Manager Doug Suttles ein.

Frühestens am Montag könne damit begonnen werden, das Öl abzusaugen, hieß es am Samstag. Nach wie vor sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer. Unterdessen weiteten die US-Behörden das Verbot für Fischfang an der Küste vor Louisiana weiter aus. Bereits am Donnerstag hatte ein erster Ölfilm eine unbewohnte Insel vor der Küste erreicht. Etwa 8.500 Helfer auf über 260 Schiffen waren im Einsatz, um zu verhindern, das das Öl das ökologisch empfindliche Marschland am Mississippi-Delta zerstört.

Die Kuppel ist etwa so hoch wie ein vierstöckiges Haus und muss mit Robotern in Mini-U-Booten ferngesteuert werden. Alleine die Aktion, die Kuppel auf dem Meeresgrund herunterzulassen, dauerte über 18 Stunden. Das Problem: Derartige Stahlkonstruktionen wurden zwar in der Vergangenheit schon einige Male eingesetzt, aber noch niemals in einer Tiefe von 1.500 Metern. "Das ist, als würde man in 5.000 Fuß Tiefe eine Operation am offenen Herzen vollziehen, in der Finsternis und mit Roboter-gesteuerten Mini-U-Booten", sagte Lamar McKay, Chef von BP-Amerika, bereits vor Beginn der Aktion.

Position noch nicht erreicht

Zunächst müsse die Kuppel im Laufe des Wochenendes präzise über dem Leck in Position gebracht werden, hieß es. Dann soll sie zunächst etwas in den Schlamm am Meeresgrund einsinken, bevor sie endgültig verankert werden kann, meinten BP-Experten. Eines der Probleme ist die große Kälte in der Meerestiefe. Um zu verhindern, dass das Öl in den Aufstiegsrohren zu klumpen beginnt, soll warmes Wasser an den Rohren in die Tiefe geführt werden.

Erst Anfang der Woche könne das ausströmende Öl direkt abgesaugt werden. Wenn alles gutgehe, könnten auf diese Weise etwa 85 Prozent des Ölflusses gestoppt werden. Weiter hieß es, bereits am Donnerstag seien erneut rund 680 Tonnen Öl verbrannt worden, die auf dem Meeresspiegel trieben.

Seit dem Beginn der Ölpest sind nach Angaben der US-Küstenwache fast acht Millionen Liter eines Öl-Wasser-Gemischs abgesaugt worden. Der Ölkonzern BP hat erklärt, es handle sich um etwa zehn Prozent Öl, der Rest sei Wasser. An den Reinigungsarbeiten sind laut Küstenwache fast 190 Schiffe beteiligt. Rund eine Million Liter Chemikalien seien inzwischen eingesetzt worden, um das Öl aufzulösen.

Lehm und Beton sollen abdichten

Parallel prüfen BP-Ingenieure weiter, ob das Leck auch mit der sogenannten "Top-Kill"-Methode abgedichtet werden könnte. Dabei wird ein Gemisch aus Lehm und Beton direkt in die Quelle gepumpt, wie ein BP-Sprecher erläuterte.

 

(Ag.)

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