Der Fänger im Staub

Kleinzeug, wohin das Auge reicht. Was früher der Setzkasten war, ist heute die ganze Wohnung.

STAUBFÄNGER SCHNEEKUGELN
STAUBFÄNGER SCHNEEKUGELN
APA

Der Setzkasten erfreute sich vor 30 bis 40 Jahren großer Beliebtheit in so gut wie jedem Haushalt. Mittlerweile ist er außer Mode. Das hat nichts damit zu tun, dass seine Aufgabe, nämlich das Aufbewahren kleiner Püppchen, Zinnsoldaten, Miniaturautos und sonstigen Krimskrams verschwunden wäre. Im Gegenteil: Die Rolle, die das hölzerne Kästchen mit den unzähligen kleinen Fächern spielte, hat nun die ganze Wohnung übernommen. In fast jedem Regal findet sich ein kleiner Kerzenständer, die chinesische Buddhastatue, die besonders hübsche leere Flasche Châteauneuf-du-Pape oder das Pizzastück aus Plastik, das auf Knopfdruck zu leuchten beginnt. Im Haushaltsjargon spricht man auch von Staubfängern.

Der Name rührt daher, dass ihre tatsächliche Existenz immer erst dann bemerkt wird, wenn man beim Staubwischen hunderte kleine Tierchen, Figürchen und ähnlichen Tand hochheben und danach wieder auf den gewischten Untergrund stellen muss. In jenem Moment verflucht man sie auch, die unzähligen Stückchen, die auf Weihnachtsmärkten, in Geschenkshops und ähnlichen Etablissements erstanden wurden. Und wünscht sich eine Hebebühne, die all die kleinen Regalbesetzer einfach anhebt, sobald ein Staubtuch in ihrer Nähe auftaucht, auf dass man darunter in Ruhe wischen kann. Wobei, dann müsste man auch noch das Gerät entstauben. Also in Wirklichkeit brächte das nur noch mehr Arbeit.

Vielleicht einfach die Wohnung entrümpeln? Aus den dicht verbauten Regalen wieder Highways machen, über die der Staubfetzen flott dahingleiten kann? Nun, die Härte, all die Überraschungseierfiguren, die kleinen Jägermeister-Fläschchen und die blinkenden Schlüsselanhänger der MA48 zu überantworten, hat man dann doch wieder nicht. Gibt es eigentlich noch irgendwo Setzkästen zu kaufen?

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2012)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Der Fänger im Staub

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.