Manchmal fühle ich mich unzulässig geserienbrieft

„Sehr geehrter Herr Die Presse.“ Was für eine nette Anrede, die kürzlich auf einem an mich gerichteten Schriftstück zu lesen war.

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Manchmal fühle ich mich unzulässig geserienbrieft – (c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)

„Sehr geehrter Herr Die Presse.“ Was für eine nette Anrede, die kürzlich auf einem an mich gerichteten Schriftstück zu lesen war. Natürlich freut man sich, wenn die eigene Person so stark mit dem Arbeitgeber bzw. dem Produkt identifiziert wird – aber der Fairness halber muss schon gesagt werden, dass noch eine Reihe anderer Menschen nicht unwesentlich zum Gelingen dieser Zeitung beiträgt. Abgesehen davon bin ich mir nicht sicher, ob es sich bei dieser Personifizierung überhaupt um eine absichtliche Würdigung handelt, oder ob es vielmehr eine nicht intendierte unzulässige Verserienbriefung war, die da von einer PR-Agentur in mein Postfach gesteckt wurde.

Es muss aber gar nicht immer ein Serienbrief sein – gelegentlich passieren auch bei der individuellen Anrede Fehler. Auch mir. Beantwortet man etwa eine Zuschrift, in der der nicht unbedingt vertraut vorkommende Vorname nicht eindeutig einem Geschlecht zuordenbar ist, wird es kompliziert. Die schnelle Recherche ergibt, dass es sich um einen türkischen Mädchennamen handelt, und schon wird die Antwort an die „Sehr geehrte Frau...“ abgeschickt. Die sehr freundliche Replik, die dann mit „Sehr geehrte Frau Erich“ eingeleitet wird, verrät, dass eine intensivere Recherche ein Missverständnis hätte verhindern können. Denn der gleiche Name ist in anderen Breiten auch für Männer üblich. Sorry, war nicht böse gemeint.

Und dann birgt auch noch die Verabschiedung ein gewisses Fehlerpotenzial. Da verfasst man etwa per Mail ein hochseriöses Bewerbungsschreiben – nein, „Herr Die Presse“ erzählt hier nicht von sich selbst – an ein Unternehmen, hängt den professionell verfassten Lebenslauf und ein sauber durchargumentiertes Motivationsschreiben an, setzt in die Anrede die „sehr geehrte“ Personalchefin. Und merkt beim Drücken des Send-Buttons, dass man unten nur mit dem Vornamen unterschrieben hat. Ups! Liebe Grüße, Erich

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2013)

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