Grimassierende Mimen der sommerlichen Lustspiele

Mein Montag

Schauspieler schauen nun einmal. Das allein wäre ja noch kein Problem, im Gegenteil, das gehört mit zu ihrer Job Description. Doch, und hier liegt die Krux, sie schauen auch auf und von Plakaten. Gerade die Vertreter des komischen Fachs legen in dieses Schauen meist einen Gesichtsausdruck, der all das, was ein Stück oder einen Film ausmacht, auf den für eine zweidimensionale Abbildung maximal möglichen Ausdruck komprimiert. Und so grimassieren sich all die Kabarettisten, die Mimen der komödiantischen Sommertheater, ja selbst die Ensemblemitglieder großer Bühnen durch all die Gefühle, die eine Rolle nach außen transportieren will. Da verdrehen sich die Augen, werden verwundert Mundwinkel nach unten gezerrt, wie sie am Ende eines Sketches oft die Pointe markieren, oder erstarren die Gesichtszüge in einem skurrilen Schockmoment, womöglich noch die Lippen zu einem O geschürzt. Auf dass die Betrachter des Plakats sofort erkennen, dass das beworbene Stück auch wirklich lustig ist. Und der abgebildete Schauspieler ein Akteur, der allein zu unserem Gaudium seine Mimik für einen Moment einfrieren lässt. Dieses Muster funktioniert überall, wo es Komödien gibt. Auf Hollywood-Filmplakaten wie auch auf Ankündigungen von Kleinkunstbühnen und Lustspielzelten. Man muss nicht einmal die Sprache verstehen – selbst im Urlaub lassen sich so treffsicher die regionalen Highlights der Unterhaltungskultur erkennen.

Allein, die Begegnung mit der zum papierenen Augenblick erstarrten Grimasse macht mit der Zeit wehmütig. Beim täglichen Rendezvous mit der Litfaßsäule wünschte man, all die zu Standbildern erstarrten Posen der Komödianten würden sich doch zumindest ein wenig verschieben, die Augen in eine andere Richtung schauen, die aufgerissenen Münder sich schließen. Nein, nicht alle Menschen wollen täglich der Pointe eines Sketches ins Gesicht schauen müssen.


E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2013)

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