Jass uf da Terrass

Auf Vorarlbergerisch rappen, das ist, wollt ihr jetzt sagen, nicht kundenorientiert. Damit könnt ihr natürlich falscher nicht liegen.

Penetrante Sorte, Bregenz
Penetrante Sorte, Bregenz
Penetrante Sorte – (C) Penetrante Sorte

Hip-Hop, das ist ja so eine Musik, die vom Leben hart gezeichnete, aber cool gebliebene Typen quasi auf der Straße erfunden haben, in dunklen Häuserschluchten irgendwo in der Bronx. Und jetzt, rund 40 Jahre später, erreicht dieser verwegene Sound das von der Bronx in jeder Hinsicht am weitesten entfernte Gebiet der Welt: Bregenz. In meinem Bundesland dröhnt gerade die Hip-Hop-Band „Penetrante Sorte“ aus jedem Lautsprecher, und sie rappen den „V-Style“ (also „Vorarlberger Stil“ in Rap-Sprache, frage nicht). Auf Vorarlbergerisch rappen, das ist, wollt ihr jetzt sagen, nicht kundenorientiert. Das ist ein bisschen Exorzismus. Verbale Gewaltanwendung. Eine rechte Zumutung. Damit könnt ihr natürlich falscher nicht liegen.

Im Video „V-Style“ stehen die Ländle-Rapper vor eindrucksvollen Kulissen wie der Vorarlberger Landesregierung, dem Skatepark in Hard, dem H&M in Feldkirch oder dem Milchkiosk „Milchpilz“ am See in Bregenz und rappen so wunderbare Sätze wie „Wenn du dine Tradition net pfleagsch denn verlürsch se“, oder „Jass uf da Terrass“, oder „Ussa mit da Töpf, es git Schübling“. Jassen, das Kartenspiel, dürfte der gemeine Nicht-Vorarlberger bestimmt kennen, ein Internetlexikon sagt jedenfalls dazu: „Jassen gilt in der Schweiz als Nationalspiel und in Vorarlberg als der Volkssport Nummer eins.“ (Und: „Im Gegensatz zu anderen, weit verbreiteten Kartenspielen gibt es für die meisten Jassvarianten keine Regeln, die durch einen Verband als für seine Mitglieder allgemeingültig erklärt worden sind“, sprich: Schmeiß einfach mit den Karten herum, irgendjemand wird schon verlieren). Und der Schübling ist eine, bleiben wir im Internetsprech, „Brühwurstsorte und Variante der Extrawurst“ – nicht zu verwechseln mit dem Unwort des Jahres 1999, wobei hier ein Schubhäftling gemeint ist. Mit dem Hip-Hop halten übrigens auch andere Genres Einzug im Ländle. Die Band „The Phobos Ensemble“ hat sich auf die Piste geschmissen und singt groovy in „Die Après Ski Party“: „Jetzt fahr i so schnell wia no nie, und noch da Fahrt kehren mir no körig i.“ Jetzt habe ich keinen Platz mehr zum Übersetzen.

E-Mails an:duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2013)

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