Mazzes mit Bradlfett in der Liliputbahn

Im Zuge der Turbulenzen um die Führung der ÖBB ging zuletzt eine richtungsweisende, strategische Entscheidung der Österreichischen Bundesbahnen medial völlig unter.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die ÖBB-Vorteilscard gilt ab sofort auch auf der Liliputbahn im Prater. Ja, im Ernst. Immerhin bleibt man damit ja zumindest beim Kerngeschäft. Und auch, wenn es viele ungläubige Blicke gab, als die Aktion bekannt wurde, ist sie trotz aller Skurrilität nicht so abwegig, dass man sie für einen Scherz halten müsste.

Misstrauisch müsste man hingegen werden, wenn ein findiger Weinbauer plötzlich muslimischen Messwein in sein Sortiment aufnehmen würde. Und sollten Sie beim Einkauf für das Pessach-Fest irgendwo auf „Mazzes mit Bradlfett“ stoßen, darf Ihnen das ruhig nicht koscher vorkommen. Man muss ja nicht jeden Blödsinn glauben.

Mittlerweile ist es auch schwierig geworden, technisch weniger versierte Menschen zu finden, denen man erklären kann, wie Bilder auf eine Website kommen: „Steck das Foto in ein Kuvert, Adresse: An das Internet. Und wirf den Brief in den Postkasten.“ Noch vor fünf Jahren erntete ich dafür zumindest noch ein erstauntes „Echt?“ Versuchen Sie das heute einmal...

Da muss man schon andere Kaliber auffahren. Wenn etwa auf dem Burgtheater ein Transparent prangt, auf dem zu lesen ist: „Ich will in deinem Herzen leben, in deinem Schoß sterben, in deinen Augen begraben werden“ – und als Quelle dafür William Shakespeares „Zwölfte Nacht“ angeführt wird. Dumm, dass das Zitat aus „Viel Lärm um Nichts“ stammt. Vermutlich wollten die Verantwortlichen einfach austesten, wie sattelfest die Theaterbesucher sind. Als Gewinn für jene, denen es aufgefallen ist, könnte man ja einen Preis stiften. Wie wäre es etwa mit einer ÖBB-Vorteilscard?


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2008)

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