Der schlechteste Witz der Welt

Witze sind gefährlich.

(c) AP (Matt Marriott)

Einmal angefangen, kann eine ganze – bis dahin spannende – Gesprächsrunde plötzlich zum Bruhaha ausarten, das spätestens nach dem dritten Scherz peinlich wird – und nur der oder die Erzähler nicht die pikierten Blicke der anderen Gesprächspartner bemerkt.

Und doch erfüllt der Witz eine immens wichtige Aufgabe, etwa um eine ins Stocken geratene Konversation wieder anzukurbeln. Gut, das geht auch mit völlig ohne jeden Zusammenhang hervorgekramten Fragen à la „Was hältst du eigentlich von Kaviar?“, aber versuchen Sie das mal an einem Stammtisch mit rot-weiß karierten Tischtüchern!

Besonders geeignet als Kommunikationsturbo sind Scherze aus der Kategorie „kurz und schmerzvoll“. Beispiel: „Was ist weiß und stört beim Essen? Lawine!“ Ja, es sind genau diese „Was ist“-Scherzchen, die kurz genug sind, um nicht gleich als Auftakt zum Gaudimax zu fungieren, das kommunikative Eis jedoch innerhalb kürzester Zeit brechen. Ein gangbarer Weg, wenn die Zeit nicht reicht, um das Eis mit geistreichen Dialogen langsam zu schmelzen, ist das allemal. Auch im angloamerikanischen Sprachraum sind derartige Kalauer weit verbreitet: „Why don't sharks eat clowns? Because they taste funny!“

Zugegeben, für Sobig (So bad, it's good) reicht das noch nicht, aber bei kommunikativen Zwischenmahlzeiten muss man eben Abstriche machen wie der hungrige Gourmetkritiker im Fast-Food-Restaurant.

Apropos: Wissen Sie, warum Giraffen so einen langen Hals haben? Weil der Kopf so weit oben ist! Au, der tut weh. Und ich sehe Sie schon nasenrümpfend am Frühstückstisch sitzen, bereit, unsere Kommunikation durch Umblättern zu beenden. Gut, also andere Taktik – was halten Sie eigentlich von Erbsen?


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2009)

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