Stubenring: Wo Entwickler Entwickeltes entwickeln

Otto Wagners Postsparkasse: Die Bawag P. S. K. zieht in absehbarer Zeit aus. Was folgt?

Wie lange noch Bank? Otto Wagners Postsparkasse.
Wie lange noch Bank? Otto Wagners Postsparkasse.
Wie lange noch Bank? Otto Wagners Postsparkasse. – (c) Wolfgang Freitag

Wenn Entwickler etwas entwickeln wollen, was man schon seit Jahrzehnten für ziemlich entwickelt hielt, dann entwickelt sich daraus mitunter eine Fehlentwicklung. Seinesgleichen kennt man von der „Entwicklung“ historischer Kubaturen, will sagen, von ihrer „Umnutzung“ zu Zwecken, für die sie nicht errichtet wurden und in allzu vielen Fällen auch gar nicht geeignet sind. Da soll's schon vorgekommen sein, dass unter dem Vorwand der Erhaltung wertvoller Bausubstanz via Zweckentfremdung vor allem optimale Verwertung betrieben wurde. Der vorgebliche Bewahrer: ein Ausschlachter, der das, was er zu schützen vortäuscht, um des Profits willen bis auf die seelenlose Karkasse ausbeint.

Sicher, keineswegs jede Neubestimmung eines Gebäudes mündet in architektonische Leichenfledderei. Doch insbesondere in herausragenden Bauwerksfällen ist stets Vorsicht geboten, wenn sich jemand anschickt, „Entwicklungspotenziale“ zu erkunden. Ein Gebäude und seine Funktion sind idealerweise keine beliebig austauschbaren Teile, sondern eine Einheit, in der das eine nicht ohne Weiteres vom anderen zu trennen ist.

Das gilt für die ehemalige Creditanstalt- und jetzige Bank-Austria-Zentrale in der Schottengasse, kürzlich an dieser Stelle erwähnt, noch mehr freilich für das Postsparkassengebäude von Otto Wagner, das in absehbarer Zeit seines ureigensten Sinns, des Bankgeschäfts eben, verlustig gehen wird, wie vergangenen Dezember bekannt wurde. Dass dieses Stück Architektur von Weltrang demnächst in bis dato unbekannter Richtung „entwickelt“ werden soll, klingt selbst dann beunruhigend, wenn der jetzige Eigner eine „enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz“ in Aussicht stellt. Solche „Zusammenarbeit“ darf als Mindestvoraussetzung nur einen Modus kennen: die umstandslose Einhaltung dessen, was denkmalschutzrechtlich einzuhalten ist.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2017)

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