Wasser ist nicht nass, Wasser macht nass

Wenn das der Badewaschel wüsste, würde er uns wohl mit einem nassen Fetzen davonjagen.

Wasser ist nass. Widerspruch, irgendjemand? Vermutlich nicht.
Wasser ist nass. Widerspruch, irgendjemand? Vermutlich nicht.
Wasser ist nass. Widerspruch, irgendjemand? Vermutlich nicht. – (c) Clemens Fabry

Wasser ist nass. Widerspruch, irgendjemand? Vermutlich nicht. Schade eigentlich. Denn vielleicht stimmt diese Weisheit ja gar nicht. Bevor Sie mich jetzt mit nassen Fetzen davonjagen, blättern wir doch einmal nach: Der Duden definiert nass zum Beispiel als „von Feuchtigkeit, besonders Wasser, durchtränkt oder von außen, an der Oberfläche damit benetzt, bedeckt“. Der Fetzen, den Sie gerade schwingen, während Sie mir hinterherrennen, ist also eindeutig nass. So wie auch alles, was damit geschlagen wird. Kommt etwas Trockenes in Kontakt mit Wasser, wird es nass – darauf können wir uns einigen. Das Wasser selbst ist es, rein sprachlich gesehen, nicht. Es ist, die richtigen Temperatur- und Druckverhältnisse vorausgesetzt, flüssig. Und es macht nass. Wenn sich das Wasser besonders stark in die Kleidung gesaugt hat, sogar pitschnass. Müsste man nur noch wissen, wer oder was dieser Pitsch ist. Vermutlich ein bildender Künstler, ein Lautmaler, der das Geräusch wiedergeben soll, das beim Auftreffen eines Tropfens auf eine Fläche entsteht, gern auch als patsch oder pitsch, patsch. Oder auch plitsch, platsch, mit dem der Froschkönig die Marmortreppe hinaufgekrochen ist. Auch klitsch und klatsch gehören in dieselbe Kategorie.

Gerade in Österreich wird man in diesem Fall auch gern waschelnass. Wascheln ist laut dem Grimm'schen Wörterbuch mit dem Waschen verwandt, es bezeichnet etwa das Herumplätschern im Wasser, aber auch starken Regen. (Bei beidem wird man übrigens nass.) Macht man im Bad andere ohne deren Einverständnis waschelnass, kann das den Badewaschel auf den Plan rufen. Der kommt sprachlich wohl vom Wäscher, dem Badediener. Und tritt auch dann auf, wenn man jemanden ins Nass stößt – ins Nass? Nun, darunter versteht der Duden unter anderem Wasser, in dem man schwimmt. Am Ende gilt dann also doch irgendwie: Wasser ist Nass.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2018)

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