Wie man schreibt, damit es garantiert niemand versteht

Sich einen Jokus machen und so schreiben, wie weiland allenthalben korrespondiert wurde.

Symbolbild
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Symbolbild – (c) Clemens Fabry

Auf Dauer kann es fatigant sein, sich beim Wortschatz immer nur mit aktuellem Vokabular zu artikulieren. Damit frappiert man doch niemanden mehr. Es muss derohalben auch angängig sein, das Gegenüber mit älteren Begriffen zu affrontieren, die ein wenig putzwunderlich wirken. Frischauf, das könnte schnurrig werden! So ließe sich etwa schlankerhand der Bramarbas wiederbeleben, wenn es darum geht, einen Aufschneider bildungsbürgerlicher zu benennen als gewohnt. Einen leicht aufbrausenden Menschen als Brausekopf zu bezeichnen, wäre gewisslich ebenso honorabel. Die Gesprächspartner würden darüber knastern, könnte man konjizieren, doch würden deswegen wohl keine Händel ausbrechen. Immerhin liegt kein Malefiz vor, und so schockant ist die Sache nun auch wieder nicht. Und natürlich, man will damit niemanden vexieren. Wohllöblich ist es aber, dem Gegenüber sänftiglich nachzuhelfen, wenn es ob eines Begriffs konsterniert ist. Ein Sykophant, zum Beispiel, ist mitnichten ein Rüsseltier, doziert man dann, sondern ein Verräter. Zurück geht er auf jene Malefizpersonen im antiken Athen, die begüterten Bürgern in erpresserischer Absicht drohten, sie durch Verleumdungen in Misskredit zu bringen.

Die Schwester der Mutter Muhme, ihren Bruder Oheim oder den Schwiegersohn Eidam zu nennen, wäre auch keine Büberei. Einen Schmetterling als Buttervogel zu bezeichnen, wäre genauso schmuck für die Sprache wie anstelle von sofort lieber spornstreichs zu verwenden. Besonders große Feinspitze arbeiten aber noch um ein Eck ausgefeilter – mit eindeutigen Andeutungen, die man erst einmal verstehen muss. Schreibt etwa jemand „KV 231“ ohne weitere Erklärung, wissen Eingeweihte, dass dahinter ein sechsstimmiger Kanon von Mozart steckt, der im Köchelverzeichnis die Nummer 231 hat. Der Titel des Stücks: „Leck mich im Arsch“.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2018)

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