Wie aus einem Pallawatsch noch etwas werden kann

Vom Skandalprojekt zum allseits angenommenen urbanen Kulturforum: Wiens Museumsquartier.

Mikromuseum: Sternenpassage, Museumsquartier.
Mikromuseum: Sternenpassage, Museumsquartier.
Mikromuseum: Sternenpassage, Museumsquartier. – (c) Die Presse (Wolfgang Freitag)

Eine sich über mehr als ein Jahrzehnt hinziehende Projektentwicklung; ein allseits umstrittener Architekturwettbewerb; im Anschluss boulevardeske Skandalisierung und nachfolgend Verschlimmbesserungen: Das sind sicher nicht beste Voraussetzungen dafür, mit einem Vorhaben zu reüssieren. Dennoch: Das Wiener Museumsquartier hat sich nach seiner Eröffnung im Sommer 2001 binnen Kürze als der Treff- und Austauschpunkt etabliert, von dem nicht einmal verwegenste Optimisten vordem zu träumen gewagt hätten. Und das, obwohl das architektonische Endergebnis bei freundlichster Gesinnung keineswegs als geglückt angesprochen werden kann.

Dass sich Erfolg nicht programmieren lässt, darf als bekannt gelten, insbesondere dort, wo es um die Verlebendigung bis dahin im Abseits gelegener Kubaturen geht. Trotzdem lässt sich gerade am Beispiel Museumsquartier durchaus ermessen, was Erfolg zwar nicht erzwingt, die Chancen darauf allerdings maßgeblich befördert. Dazu gehört nicht zuletzt der Mut, sich mit dem Erreichten nicht zufriedenzugeben, sondern beständig für Ergänzungen oder auch Neufassungen zu sorgen. Aktuelles Beispiel: die Einrichtung jener Mikromuseen genannten Ausstellungsflächen, die immer mehr der zahlreichen Fußgängerpassagen des Quartiers mit Kunst und Kultur bestücken. Jüngst präsentiert: die Brückenpassage zwischen Burggasse und Hof zwölf, von Hans Schabus in Resedagrün getaucht und mit einer Vitrine versehen, in der junge Kunstschaffende sich und ihr Werk vorstellen können. Und die Sternenpassage zwischen Hof zwei und Leopold Museum, der Fotokunst gewidmet.

„Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt“, dichtete einst Erich Fried. Das gilt im Großen – wie im Kleinen.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2018)

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