Sportliches Christkind

Früher konnte das Christkind meine Wünsche auf einem handgeschriebenen Brief von der Fensterbank meines Kinderzimmers abholen.

Sportler sind für das Christkind offenbar einfach zu beschenken.
Sportler sind für das Christkind offenbar einfach zu beschenken.
Sportler sind für das Christkind offenbar einfach zu beschenken. – (c) Clemens Fabry

 Heute verschicke ich sie per SMS. (Zu meiner Verteidigung sei erwähnt: Ich werde mit Nachdruck dazu aufgefordert). Dieses Jahr sind etwa Skisocken, eine Winterlaufhose und Touren-Skistöcke auf der Liste gestanden. Sportler sind für das Christkind offenbar einfach zu beschenken.

Mir ist es dennoch immer schwer gefallen. Socken, Hosen und Fäustlinge erscheinen mir als zu wenig kreativ. Es müsste etwas Besondereres, Persönlicheres oder zumindest Größeres sein. Das hat mich vor einigen Jahren zu einem Tennisschläger greifen lassen. Der ist leider noch spieltauglich. Auch die Gutscheine für Tennisstunden, die ich vergangenes Jahr unter den Weihnachtsbaum legte, sind noch nicht zur Gänze verbraucht worden. Das hat allerdings weniger mit dem hohen Wert des Gutscheins und mehr mit der Faulheit des Beschenkten zu tun. Seine Tennisschuhe haben dennoch schon bessere Tage gesehen. Doch die traute ich mich nicht stellvertretend zu kaufen. Über ein Paar Ski würde sich ein anderes Familienmitglied (ich kann hier keine Details verraten) heuer sicherlich freuen. Doch auch hier schreckten wir – nicht nur ob der hohen vorweihnachtlichen Preise – vor einem Kauf zurück. Es wird nun, befürchte ich, einen der berüchtigten selbst gebastelten Gutschein geben.

Das ließ sich in der Vergangenheit durch kleine Verlegenheitssportgeschenke verhindern. Unter dem Weihnachtsbaum waren die Yogamatte, die seither im Abstellraum zwischen Wand und Waschmaschine eingeklemmt ist, das Balancebrett, das nun vermutlich auf dem elterlichen Dachboden zu finden ist, und die Hantel, die, abgesehen vom Transport in den Keller, noch nie bewegt wurde, zu finden. Die Kollegen in der Redaktion hätten außerdem noch einen unbenützten Boxsack, eine teuere originalverpackte Faszienrolle sowie einen verstaubten Hometrainer anzubieten.

Mit all den Tipps dürfte einem sportlichen Christkind nun nichts mehr im Wege stehen.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2018)

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