Stadtbild: Ein H, ein N - fehlt uns sonst noch etwas aufs Humane?

Nächtliche Lektüre am Wienfluss: ein „öffentliches Licht-Kunst-Signal“ und seine/unsere Defizite.

„UMA“ statt „HUMAN“: Fassade der Angewandten.
„UMA“ statt „HUMAN“: Fassade der Angewandten.
„UMA“ statt „HUMAN“: Fassade der Angewandten. – (c) Wolfgang Freitag

Menschen sind wir ja bekanntlich alle, also sollte sich die Sache mit der Menschlichkeit von selbst verstehen. Was sonst als menschlich müssten Menschen recht eigentlich doch sein? Und schließlich, jenseits solchen rein sprachlichen Befunds: Wer von uns wollte sich damit brüsten, er sei vollbewusst und umstandslos ein Unmensch ganz und gar?

Dennoch: Gerade dieser Tage – wie alljährlich um dieselbe Zeit – hört man allenthalben Menschlichkeitsappelle, als wär uns die sprachgesetzmäßig zugewiesene Grundeigenschaft zumindest temporär abhanden gekommen, als wäre Rotes nicht mehr rot, Lautes nicht mehr laut, Gespenstisches nicht mehr gespenstisch. Und von der wienflussseitigen Fassade der Universität für angewandte Kunst wollen es Senat und Rektorat neuerdings sogar haushoch „HUMAN“ in die Wiener Nacht leuchten lassen, als müsste man uns erst wieder daran erinnern, was wir doch unstreitig sein sollten. Naturwissenschaftlich gesehen jedenfalls.

Man wolle „ein öffentliches Licht-Kunst-Signal für eine humane Gesellschaft“ setzen, ist aus der Universität zu hören. Und: Im eben angebrochenen Jahr würden weitere Aktivitäten folgen, um jene vielen zu bestärken, „die an Humanität und Solidarität glauben“. Da dürfen wir zweifelsfrei vermuten, dass die hier apostrophierten vielen universitärerseits für viel zu wenige gehalten werden.

Zu Recht? Zu Unrecht? Fehlt uns etwas auf die rechte Humanität? Zumindest, was die Fassadenschrift betrifft, weist ein abendlicher Lokalaugenschein dieser Tage offensichtlich Defizite aus: Im H klafft links oben eine Lücke, rechts ist bloß ein halbes N zu sehen. „UMA“ statt „HUMAN“ steht da zu lesen. Wär schön, es wär das Einzige, woran's hierorts in Sachen Menschlichkeit noch mangelt.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

[P2FYK]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2019)

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