Von Hipstereltern und Präsidentengattinnen

Warum der Name Bernadette eher nicht in die Kategorie Greta fällt. Und was tröstlich ist.

Es gibt diese Geschichte, die mir der Monsieur erst einige Monate nach unserem Kennenlernen gestanden hat. Dass er über unsere ersten Dates mit seinen französischen Freunden nämlich als Opération Pièces Jaunes sprach – grob übersetzt: als Operation Klingelbeutel. Einer Sammelaktion, die die Franzosen bis heute mit einer Person assoziieren: mit Bernadette Chirac, der langjährigen Präsidentengattin, 85 Jahre alt. Die offenbar die idealtypische Bernadette ist.

Denn B. ist in Frankreich der Generation 70 plus vorbehalten. Mitunter erzählen die Franzosen, nachdem sie ihr Erstaunen über den Vornamen beim Kennenlernen mehr oder weniger gut weggelächelt haben, von entfernten Tanten oder greisen Nachbarinnen namens B., niemals aber von gleichaltrigen Freunden. Und auch nicht von französischen Hipstereltern, die ihre Tochter gerade so genannt haben. Colette vielleicht, aber nicht Bernadette. Was den Verdacht schürt, dass der Name auf Österreich umgelegt eher in die Kategorie Hildegard fällt als in die Kategorie Mathilde.

Vielleicht waren meine Eltern bei ihrer Suche nach einem Vornamen, der nicht in jeder Schulklasse zweimal vorhanden ist (das ist gelungen, auch wenn es vor allem in Westösterreich immer wieder B.s gibt, interessanterweise auch in Ungarn und Irland), aber für französische Verhältnisse ja auch einfach sehr Avant-Garde. Wer hätte in Österreich vor ein paar Jahr(zehnt)en gedacht, dass besonders coole Eltern ihre Kinder heute wieder Mathilde nennen würden? Oder Frida und Fritz, Greta und Paula, Amalia und Ferdinand?

Und sogar wenn Bernadette in Frankreich vielleicht für immer retro bleibt (es wird vermutet, dass gerade die einstige Präsidentengattin schuld daran ist): Irgendwann sind wir alle 70 plus. Auch die Fridas, die Fritzens und die Ferdinands.

E-Mails an: bernadette.bayrhammer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2019)

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