"Monsieur Claude und seine Töchter": Mon Dieu!

Die französische Komödie will Stereotype entlarven. Das sollen wir jedenfalls glauben.

Okay, es gibt eine Szene in „Monsieur Claude und seine Töchter“, die ist wirklich witzig. Irgendwie sogar genial, weil so simpel und dennoch originell: Einer der Schwiegersöhne von Monsieur Claude wirft nach einem kräftigen Zug in einer coolen Bewegung seine Zigarette auf den Boden – vergisst aber, dass es sich dabei um eine E-Zigarette handelt, und hebt sie, in einer nicht mehr so coolen Bewegung, wieder auf.

Das war's dann aber auch schon. Denn abgesehen von dieser Szene ist der sensationelle Erfolg dieses Films ein Mysterium. Die Handlung dürfte bekannt sein: Ein gut situiertes französisches Ehepaar hadert mit dem Migrationshintergrund seiner vier Schwiegersöhne – einem Chinesen, einem Juden, einem Moslem und einem Schwarzafrikaner. Am Ende überwinden sie ihre Vorurteile und haben sich alle lieb. Was uns bis dahin an konstruierten kulturellen Unterschieden vorgesetzt wird, macht nicht nur angesichts der Einfallslosigkeit sprachlos, sondern ist auch wegen der Gleichgültigkeit gegenüber Alltagsrassismus zuweilen schwer zu ertragen. So ist es in dieser – laut Beschreibung – Komödie etwa unmöglich, bei einem der Schwiegersöhne gemeinsam zu Abend zu essen, ohne danach vor die Tür zu gehen und sich zu prügeln – zu groß ist die gegenseitige Abneigung.

Die ständigen Stereotype werden in einer Szene sogar ungeniert gerechtfertigt. „Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“, sagt einer der Männer beschwichtigend. Widerspruch gibt es keinen. Weder unmittelbar noch implizit im Film. Wie es um das Frauenbild der Macher bestellt ist, verdeutlicht eine andere, bemerkenswerte Szene. Die Schwiegersöhne singen nach einem Essen bei Claude die französische Nationalhymne derart inbrünstig, dass der Gastgeber, wie er sagt, Gänsehaut bekommt. Die Frauen, und zwar alle, sind derweil in der Küche und machen den Abwasch. Tja.

Warum ausgerechnet jetzt die Auseinandersetzung mit diesem Film – vier Jahre nach dem Kinostart? Gerade erfahren, dass im April Teil zwei kommt.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2019)

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