Mein Dienstag: Ich muss packen!

Ferien und Urlaub sind vorbei, alle sind jetzt wieder dort, wo sie vor den Feiertagen waren, also in Wien.

Die Reisezeit ist auch die Zeit des Packens, und in dieser Hinsicht gibt es noch viele Rätsel zu lösen.
Die Reisezeit ist auch die Zeit des Packens, und in dieser Hinsicht gibt es noch viele Rätsel zu lösen.
Die Reisezeit ist auch die Zeit des Packens, und in dieser Hinsicht gibt es noch viele Rätsel zu lösen. – APA/GEORG HOCHMUTH

Ich höre Geschichten von üppigen Weihnachtsmahlen, von besinnlichen Stunden, von Streitigkeiten und Versöhnungen, von den Schwierigkeiten, in der oberösterreichischen Ödnis nach 21 Uhr den Bus zu erwischen, auf dem Tiroler Berg überhaupt eine Bushaltestelle ausfindig zu machen. Aus Bregenz kann ich berichten, dass unser Bahnhof immer noch hässlich, aber das Café Wunderbar endlich rauchfrei ist.

Die Reisezeit ist auch die Zeit des Packens, und in dieser Hinsicht gibt es noch viele Rätsel zu lösen. „Wann fährst heim?“, fragt mich eine Freundin kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. „Am Mittwoch.“ „Hast du schon gepackt?“ „Es ist erst Montag!? Die Hälfte der Sachen brauche ich noch.“ „Du tust dir das nicht schon in den Koffer vorher?“ „??“ Anderes Beispiel: Wenn ich von anstehenden Dienstreisen erzähle, ist die erste Frage meist den Destinationen gewidmet, dicht gefolgt von „Hast du schon gepackt?“ (Die Antwort lautet: Nein). Und als jüngst bei einem vorweihnachtlichen Treffen Freundin C. frühzeitig den Tisch verließ, mit der intensiv vorgetragenen Begründung, dass sie noch dringend packen müsse, da konnte ich nicht umhin, mich zu empören. „Deine Eltern“, rief ich, „wohnen in Niederösterreich. Du fährst 20 Minuten mit der S-Bahn!“ Es folgte eine schwer nachvollziehbare Diskussion über Packgewohnheiten, die mit der Feststellung begann, dass man nie genug Kram einpacken könne, und mit der Feststellung endete, dass die eigentliche Pack-Hölle den Menschen mit Kindergartenkindern vorbehalten sei („Hast du schon einmal für eine exzentrische Fünfjährige gepackt, die eine Nacht auswärts verbringt?“).

Ich selbst befolge eine goldene Regel beim Packen: Pass und Geldbörse sind das Wichtigste, an den Rest versuch' halt zu denken, andernfalls kauf's dir einfach neu. Funktioniert nicht schlecht, aber auch nicht gut, weil ich immer irgendwas vergesse, meist die Kontaktlinsenflüssigkeit. Dafür erfreue ich mich an zwei exakt gleichen Kajalstiften und einer einzelnen roten Socke.

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2019)

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