Im Schönheitslabor

Gerade hatten wir uns an diesen wunderbaren Weihnachtsferienrhythmus gewöhnt (sehr spät ins Bett, sehr spät aufstehen), schon hat uns der gnadenlose Alltag (immer noch spät ins Bett, leider viel, viel früher auf) eingeholt.

Das Kind hat ein Schönheitslabor bekommen.
Das Kind hat ein Schönheitslabor bekommen.
Das Kind hat ein Schönheitslabor bekommen. – (c) Bilderbox

Arbeit und Schule sind also wieder am Laufen, während daheim noch die Ferien picken geblieben sind: Das Wohnzimmer gleicht immer noch einem Playmobilthemenpark, der seit dem weihnachtlichen Neuzugang Meeresaquarium zwischen Esstisch und Couch errichtet wurde und offenbar gekommen ist, um zu bleiben. (Anders als der Christbaum, der uns vorzeitig wieder verlassen musste, weil es zwischen Playmo-Kreuzfahrtschiff, -Zoo und Tannenzweigen doch ein bisschen eng geworden ist.)

Parallel dazu hat sich der Wohnzimmertisch in eine Experimentierstätte verwandelt. Das Kind hat nämlich auch ein Schönheitslabor bekommen. Jawohl, Schönheitslabor. Damit kann man Duschgels, Shampoos und Gesichtsmasken herstellen, also alles, was Sie schon immer aus Kinderhand mit Inhaltsstoffen, deren Herkunft völlig unklar ist, für die Körperpflege haben wollten. Wie es sich für ein Labor gehört, sind allerlei Pipetten, Röhrchen und Förmchen dabei, mit denen wir auch Duftsteine aus Gips gegossen haben, die wirklich 1A-schön geworden sind. Überraschenderweise hat der Abfluss den ihm zugemuteten Abtransport der Gipsreste unbeschadet überstanden. Und auch die knallroten Flecken, die ein umgekipptes Fläschchen auf Kleidung und Tisch verursacht hat, sind nach mehreren Wasch- und Putzdurchgängen kaum mehr der Rede wert.

Der entstandene Schaden steht also in keinem Verhältnis zur Freude (beim Kind) und dem Nutzen (meinerseits): Ich besitze nun ein farbloses Duschgel (die rote Farbe haben wir ja verschüttet) und ein selbst gemachtes Parfum, das überraschend dezent riecht verglichen mit der migränefördernden Wolke, die während der Herstellung über dem Wohnzimmer kreiste. Ob bei uns daheim mit diesen neuen Trümmern je wieder Ordnung herrschen wird, ist wiederum eine andere Frage. Aber davon erzähle ich Ihnen ein anderes Mal.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2019)

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