Nur nicht hudeln, da lassen wir uns nicht lumpen

Wie ein nicht ganz frisches Stück Stoff Karriere als Begriff für zweifelhafte Menschen machte.

Wenn etwas lose und nachlässig herabhängt, um den Körper schlenkert, dann schlampt es.
Wenn etwas lose und nachlässig herabhängt, um den Körper schlenkert, dann schlampt es.
Wenn etwas lose und nachlässig herabhängt, um den Körper schlenkert, dann schlampt es. – (c) APA/AFP/MENAHEM KAHANA

Nur nicht hudeln. Gäbe es so etwas wie ein Wiener Grundgesetz, wäre das einer der grundlegenden Paragrafen. Aber fragt man einen Wiener, woher das Wort hudeln eigentlich stammt, kommt meist das Wiener Leiden der akuten Woswaßdenni zum Vorschein. Nun, dann reden wir doch darüber. Das Verb steht dafür, dass man etwas schnell und dadurch unsorgfältig macht. Seine Wurzeln hat es im mittelhochdeutschen Huder, wo es für einen Lappen oder Lumpen steht. Wer hudelte, zerfetzte quasi etwas. Und so sah das Resultat dann aus. Wobei man im Österreichischen nicht einmal etwas Konkretes machen muss, sondern hudeln auch schlicht dafür stehen kann, dass man hektisch ist. Ein ähnliches Wort dafür, dass man eine Arbeit ohne Sorgfalt erledigt, ist schlampen. Auch das hat seine Wurzeln im weitesten Sinne in der Welt der Textilien. Wenn etwas lose und nachlässig herabhängt, um den Körper schlenkert, dann schlampt es. Fiel ein Kleidungsstück zu weit, wirkte es liederlich – und so bürgerte sich der Begriff Schlampe erst für eine ungepflegte weibliche Person ein, später im übertragenen Sinn für eine Frau, deren Lebensführung als unmoralisch angesehen wird.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Wort Lump. Aus dem Menschen in zerschlissener Kleidung (Lumpen) wurde über den Gauner und Landstreicher am Ende ein gesinnungsloser Mensch. Liebevoll konnotiert ist der Lump erst durch die Verniedlichungsform mit i am Ende – als gern verwendeter Hundename, der liebevoll mit dem vielleicht ein bisschen triebgesteuerten Lumpi spielt. Auch Strolchi verliert ohne Verniedlichung seine liebenswürdige Anmutung – ist doch auch ein Strolch am Ende ein Lump. Und noch etwas: Wenn man sich großzügig zeigt, will man sich nicht für einen Lump halten lassen. In diesem Sinne, lassen wir uns nicht lumpen. Und nur nicht hudeln!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2019)

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