Serienfieber

Wie die Welt Jahreszeiten hat, habe ich in meinem persönlichen Leben zwei Phasen. Das ist die Netflix-Saison und die Nach-Netflix-Saison.

(c) APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE

Wie die Welt Jahreszeiten hat, habe ich in meinem persönlichen Leben zwei Phasen. Das ist die Netflix-Saison und die Nach-Netflix-Saison. Erstere beginnt traditionell damit, dass ich mit höchster Motivation aus dem sozialen Leben aussteige, um mir in meiner Freizeit innerhalb kürzester Zeit sämtliche Staffeln einer Produktion reinpfeifen zu können. Diese Saison ist sehr anstrengend: Man schläft schlecht und ernährt sich noch schlechter. Am wildesten ist es, wenn Arbeitskollegen zeitgleich in dieselbe Serie reingesogen worden sind. Weil es dann beim Mittagessen um solcherart Themen geht: „David Lee ist so ein mieser Typ, hoffentlich schmeißt ihn Will bald raus.“ „Wenn Cary zum Staatsanwalt geht, gehört er zu den Bösen?“

Meine Lieblingsserie schaut außer mir leider niemand. In dieser türkischen Produktion geht es um einen Mann, der von seinen zwei besten Freunden, Kneifzangen-Ali und Spieler-Cengiz, und von seiner Geliebten, Eyşan, übel über den Tisch gezogen wird. Das Gespann raubt ein Casino aus und hängt es dem gutherzigen Ömer an. Er muss lebenslang hinter Gitter, weil Kneifzangen-Ali bei dem Raub einen Security umgelegt hat. Im Gefängnis trifft Ömer den Untergrundboss Onkel Ramiz, der ihn bei seinen Racheplänen unterstützt. Lange Geschichte, kurz: Ömer schafft es raus, bekommt ein neues Gesicht und einen Maserati, heißt fortan Ezel, schleicht sich in das Leben seiner alten Freunde ein und gewinnt ihr Vertrauen, vor allem das von Eyşan. Deren Schwester wiederum hat Krebs und verliebt sich auch in Ezel. Kneifzangen-Ali liebt aber die Schwester und will Ezel loswerden. Eyşan will Ezel, um Ömer zu vergessen. Es taucht ein Video auf, das den Mord von Kneifzangen-Ali dokumentiert, aber ins Gefängnis stecken sie Spieler-Cengiz. Der ist in der Zwischenzeit ja mit Eyşan verheiratet. Ezels Fahrer wird in den Bauch geschossen, aber er ist danach noch in der Lage, ein SMS zu schreiben. Der kleine Sohn Eyşans: Wer ist der Vater? Ömer gar? Und hat Onkel Ramiz wirklich seine drei Söhne umbringen lassen, wie die plötzlich aufgetauchte Ramiz-Tochter behauptet? Ich muss dringend weiterschauen.

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2019)

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