Wie ein Bad samt Förderung den Bach hinuntergeht

14,5 Millionen Euro, 20 Jahre und kein bisschen weise? Der aufhaltsame Abstieg des Dianabads.

Vergnügen mit Ablaufdatum: Dianabad-Zugang, Leopoldstadt.
Vergnügen mit Ablaufdatum: Dianabad-Zugang, Leopoldstadt.
Vergnügen mit Ablaufdatum: Dianabad-Zugang, Leopoldstadt. – (c) Freitag

Es geschah im Herbst des Jahres 2000. An der Adresse Lilienbrunngasse 7–9, Wien Leopoldstadt, öffnete ein neues Dianabad seine Pforten, das insgesamt vierte dieses Namens seit Beginn des 19. Jahrhunderts, allerdings das erste, dem die römische Göttin der Jagd als Ausweis allein nicht mehr genügte: Für die (vorgeblichen? tatsächlichen?) Bedürfnisse des angehenden neuen Jahrtausends musste es nun ein Diana-Erlebnisbad sein, gefördert aus öffentlichen Mitteln mit rund 14,5 Millionen Euro, eine Förderung, daran geknüpft, den Badebetrieb zumindest 20 Jahre lang aufrechtzuerhalten.

Und weil sich über dem schönen neuen Erlebnisbad ganz zufällig auch ein weithin sichtbarer Büroturm erhob, konnte unter den hierorts üblichen übelwollenden Kreisen (seitens der „Presse“ in Gestalt der Architekturkritikerin Judith Eiblmayr) der – selbstredend völlig haltlose – Verdacht nicht ausbleiben, womöglich habe die Förderung des Bades nur der Mitfinanzierung des Gesamtprojekts gedient, und das Bad würde nach Ablauf obgenannter 20-Jahres-Frist samt Förderung, mit Frau Eiblmayr gesprochen, „einfach den Bach hinuntergegangen“ sein. Worauf laut Eiblmayr auch etliche bauliche Details des Bades hinwiesen, die eine künftige Umnutzung für ganz andere Zwecke deutlich vereinfachten.

Alles nicht wahr, konterte der Badbetreiber damals enragiert, voll Empörung über so infame Insinuierungen. Und dass die Nachrichtenlage heute, 19 Jahre später, genau dem entspricht, was damals in der „Presse“ schon vermutet wurde – Schließung des Dianabads spätestens 2020 mit anschließender Umnutzung der Kubatur –, ist sicher rein den schlimmen Fährnissen der Zeit zuzuschreiben und hat niemand niemals nie nicht so und nicht anders vorgehabt.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2019)

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