Pumuckl in Bullerbü

Wenn es um die eigene Kindheit geht, werden oft die coolsten Menschen binnen einer Sekunde sentimental.

Da reicht ein Schluck Himbeerkracherl, das so schmeckt wie früher das Skiwasser. (Auch wenn man, so wie ich, überhaupt nicht gern Ski gefahren ist.) Oder eine alte Fernsehserie wie der „Pumuckl“, der im April auf Amazon Prime zurückkehrt. Das sind natürlich wunderbare Nachrichten für die Kinder von damals.

Für die Kinder der Kinder von damals vielleicht weniger. Diese dürfen (oder müssen) dann gemeinsam mit ihren Eltern die alten Koboldabenteuer anschauen. Ob die – im Vergleich zu heutigen Serien – sehr gemächlich erzählten Geschichten des Meister Eders und seines Nervensägenkobolds in der düsteren Werkstatt die heutigen Kinder ebenso begeistern werden? Das Kind ist mit seinen acht Jahren womöglich schon zu alt, schaut aber wohl mit. Vielleicht nur, um mir eine Freude zu machen. So wie bei den „Kindern von Bullerbü“, meinem Lieblingsbuch von früher, das dem Kind „nur so mittel“ gefallen hat, bei dem es aber netterweise zugehört hat.

Der „Pumuckl“ war aber nur eine von vielen Lieblingsserien. Meine Liebe zu Venedig habe ich mit vier oder fünf Jahren dank „Der Stein des Marco Polo“ entdeckt, wobei ich mich an keinerlei Handlung, sondern ausschließlich an die Titelmelodie („Aaabenteuer auf dem Markusplatz, hinter dem Dogenpalast . . .“) erinnern kann. Frühkindliche Depri-Stimmung verbreitet haben die tieftraurige Perrine (so viel Tragik wird heutigen Kindern nicht mehr zugemutet) und Niklaas, der gequälte Junge aus Flandern. Rückblickend muss ich einräumen, dass ich als Kind möglicherweise ein bisschen viel ferngesehen habe. Auch wenn die Oma behauptet hat, dass man davon viereckige Augen bekommen und außerdem das TV-Gerät nach stundenlangem Fernsehen explodieren (!) könne. Die Explosionsgefahr schien erstaunlicherweise nur am Nachmittag zu bestehen. Wenn sich die Oma zum Fernsehmarathon gerüstet hat („Falcon Crest“, „Zeit im Bild“, „Die Schwarzwaldklinik“, „Dallas“), war ein Überhitzen des Geräts kein Thema mehr. In diesem Sinne: Genießen Sie den „Pumuckl“!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2019)

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