Sport-Club: Wenn der Sonntag zum Selbstläufer wird

Der Sonntag ist der Tag des Herrn, Tag der Familie, freier Tag und für manche auch Tag des LDL. Das hört sich gefährlicher an, als es ist. Es handelt sich dabei nur um einen langen (langsamen) Dauerlauf.

Prater am Sonntagvormittag
Prater am Sonntagvormittag
Prater am Sonntagvormittag – (c) Clemens Fabry

Er ist bei jedem Sportler natürlich unterschiedlich lang und langsam. Das Gefühl dabei ist aber immer gleich. Der LDL ist mehr als eine einfache Laufrunde zwischendurch. Er ist eine Aufgabe, ein Projekt, ein Ausflug. Dabei blickt man nicht ständig hektisch auf die Uhr, weil der nächste Termin bereits wartet – man läuft, und zwar lang. Maximal zwei Stunden sind es in meinem Fall. Auf diese Dauer muss ich mich psychisch meist erst einstellen. In den nächsten Stunden wird monoton ein Fuß vor den anderen gesetzt – auch noch an dem Punkt, an dem man normalerweise umdreht und guten Gewissens den Weg nach Hause einschlägt. Nun hat man dort noch nicht einmal Halbzeit erreicht. Irgendwann wird das Laufen zum Selbstläufer. Man lässt sich treiben, beginnt, zu genießen und das Rundherum zu beobachten.

An sonnigen Sonntagmorgen ist für Wiener und Wien-Besucher der Donaukanal zu empfehlen. Er lässt sich sehr gut als Zubringer für den Prater (siehe Grafik) oder die Donauinsel verwenden. Hier kann man viele Kilometer abspulen. Langweilig wird es nicht. Es gibt einiges zu sehen. Da rede ich nicht von den leeren Alkoholflaschen der Samstagnacht, die noch auf Wiens Straßen herumliegen und einem unterschwellig sagen, gerade das Richtige zu tun. Es winken die Bratislava-Touristen von den Schiffen, es sonnen sich die Frühaufsteher in den bereits im Februar aufgeklappten Liegestühlen, und es lacht einem der Spruch „Life is wonderful“ von einem Werbebanner entgegen. Irgendwie beginnt man, das an solchen Sonntagen auch zu glauben.

Denn es liegen nicht nur noch viele Laufkilometer (durch den Prater und retour) vor einem. Sondern es wartet nach dem zweistündigen Training auch noch der Rest des freien Tags auf einen. Dieses entspannte, zufriedene Gefühl ließ mich zur Sonntagsläuferin werden.

Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2019)

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