Trinken Sie nie den Kakao, durch den man Sie zieht!

Warum der Kakao in mancher Redewendung mit dem Getränk überhaupt nichts zu tun hat.

Wenn Sie von jemandem auf einen Gaugau eingeladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee.
Wenn Sie von jemandem auf einen Gaugau eingeladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee.
Wenn Sie von jemandem auf einen Gaugau eingeladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee. – (c) imago images / Panthermedia (szefei via www.imago-images.de)

Will man jemanden für ein unverbindliches Gespräch treffen, hat sich die Redewendung etabliert, dass man auf einen Kaffee geht. Deutlich seltener kommt die Aufforderung, dass man gemeinsam einen Kakao trinken möchte. Umgekehrt ist die Redensart völlig unbekannt, dass man über jemanden lästert, indem man ihn durch den Kaffee zieht. Hier schlägt die Stunde des Kakaos. Allein, haben Sie sich nicht auch schon gefragt, warum man in einer solchen Situation ausgerechnet in Trinkschokolade baden soll? Nun, wenn Sie an Scheibenkleister denken (und wer würde das in diesem Moment nicht?), sind Sie auf der richtigen Spur. So wie sich dahinter ein verhüllendes Schimpfwort verbirgt, um den vulgären Begriff für Kot nicht in den Mund nehmen zu müssen, ist auch der Kakao eine scheinbar kindertümlich-harmlose Alternativbezeichnung für ein ähnlich klingendes tabuiertes Wort: Kacke. Als Lateiner wissen wir, dass das vom Verb cacare kommt, das genau das bezeichnet, wonach es klingt. Und da man das halt nicht sagt, griff man eben zum aztekischen Wort cacao, das die Spanier aus Mexiko nach Europa brachten (nicht nur das Wort, übrigens, auch die Bohne und damit das Göttergesöff. ¡Muchas Gracias!). Weniger geläufig sind heute aus diesem Kontext entstandene Redewendungen wie „Kakao in der Hose haben“ oder „im Kakao sitzen“. Das mit dem Durchziehen hat sich aber ganz gut gehalten.

Erich Kästner hat dazu um 1930 gedichtet: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, jetzt hinter jedem Kakao gleich etwas Bösartiges zu vermuten. Sollten Sie also von jemandem mit den Worten „Gehen wir auf einen Gaugau?“ zu einem Treffen geladen werden, mag die Person vielleicht einfach nur keinen Kaffee. Versprochen!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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