Das Wetter erlaubt alle Kapriolen

Der Fußballplatz ist versperrt, das Freibad leer. Es schneit immer noch einmal vor dem Sommer.

In dem kleinen Dorf gibt es eine Kirche, einen Friedhof, eine Feuerwehr und eine Pizzeria, die Mafiosi heißt. Schon allein das reicht für Liebe auf den ersten Blick, wenn da nicht auch noch eine Wiese wäre mit Fußballtoren, ohne Zaun herum, auf der einfach gespielt werden kann. Das ist selbst in Niederösterreich selten geworden, ein Stück Land für alle, ohne zu einem Verein gehören zu müssen, einen Schlüssel zu haben, den Bürgermeister zu kennen.

Man kommt an etlichen Fußballplätzen vorbei, auf denen niemand mehr spielt, wenn man außerhalb der Stadt unterwegs ist. Das Gras wuchert, die Netze sind zerrissen, die Türen bleiben versperrt. Auch ein Vereinshaus gibt es noch, und vor dem Fenster stehen ein paar leere Bierflaschen. Es kostet alles zu viel Geld. Wer will schon den Rasen mähen, wenn niemand offiziell verantwortlich ist.

Auch die kleinen Bäder auf dem Land kämpfen ums Überleben, während es in Wien gar nicht genug Freibäder geben kann – und immer noch wären sie an heißen Tagen überfüllt. Wer kann, hat sein eigenes Schwimmbad im Garten und spart sich zu viel Chlor, Frittieröl und blöde Sprüche. Aber auch Spaß, wenn man an die Sommer im Freibad zurückdenkt, an denen einem zwar alles unsagbar peinlich war, aber sogar das war besser noch als sich zu langweilen.

Die Saison muss ohnehin noch warten, wenn es nun also wieder kälter wird. Das Auf und Ab der Temperaturen machte einen flexibel. Wenn man innerhalb von 24 Stunden abwechselnd friert und schwitzt, dann ist man erstens immer falsch angezogen und zweitens in der glücklichen Lage, sich allen Launen hingeben zu können und dies dem Wetter zuzuschreiben. Das machen derzeit ziemlich viele Leute. Wenn Sie also zu Kapriolen neigen, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür.

E-Mails an: friederike.leibl.buerger@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2019)

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