Warum spricht man beim Trinken einen Toast aus?

Ein simples Prost ist oft zu wenig. Darum trinken wir bei Feiern oft in Gedenken an geröstetes Brot.

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Symbolbild – (c) www.BilderBox.com

Mit ausufernden Trinksprüchen hat man es in Österreich ja nicht so. Da reicht ein simples Prost. Dieser Zuruf beim Anstoßen hat seine Wurzeln wenig überraschend im Lateinischen – das Verb „prodesse“ steht für nützen, die konjugierte Form „prosit“ drückt quasi den Wunsch „Es nütze“ aus. Das Prosit kommt heute fast ausschließlich zu Silvester zum Einsatz, das umgangssprachliche Prost ist längst sprachliches Allgemeingut. (Und wer beim Anstoßen „Prostata“ sagt, hat vermutlich ein Faible für anspruchsloses Umtata.)

In feierlicher Umgebung ist ein simples Prost aber oft zu wenig. Da muss man dann, verbunden mit einer kurzen Ansprache, einen Toast aussprechen. Was aber hat die geröstete Brotscheibe mit einem Getränk zu tun? Nun, beginnen wir bei den Grundlagen: Sprachlich hat der Toast seine Wurzeln im Lateinischen, wo „torrere“ für dörren oder rösten steht, aus dem sich neben dem Toast unter anderem auch die Dürre entwickelt hat. Rund um das geröstete Brot bürgerte sich – Quellen sprechen von etwa 1700 – offenbar ein, geröstetes und gewürztes Brot in Wein einzutauchen, um ihn schmackhafter zu machen. Und dann kursiert eine Geschichte aus England, als eine bekannte Schönheit im Cross Bath badete, ein Mann aus dem Kreis ihrer Bewunderer ein Glas Wasser daraus schöpfte und einen Trinkspruch auf die Gesundheit sprach. Aus diesen beiden Begebenheiten soll sich der Toast entwickelt haben – erst als Bezeichnung für eine Frau, die das Getränk ähnlich aufwerten soll wie das Röstbrot den Wein, schließlich als Trinkspruch ihr zu Ehren. Und ja, da ist eine Parallele zum christlichen Abendmahl, dass die begehrenswerten Eigenschaften der jungen Frau quasi gleichsam in den Trank übergehen.

Ganz schön aufgeladen also, der Trinkspruch, nicht? Im Zweifel bleibt man vielleicht einfach beim Prost.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2019)

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