Panther? Puma? Keineswegs: Hausfront mit Tiger!

Raubkätzischer Alsergrund: ein Fundstück an einem Gründerzeithaus – und seine Geschichte.

Keine Streifen und doch Tiger: Alser Straße 8.
Keine Streifen und doch Tiger: Alser Straße 8.
Keine Streifen und doch Tiger: Alser Straße 8. – WF

Alser Straße 8, Wien Alsergrund. Das sind: ein Zahnarzt, ein EDV-Dienstleister, ein kleines Pharmaunternehmen, ein Schuhgeschäft, eine Handvoll Wohnungen und, nun ja, ein Tiger. Aufgrund der Lage des Objekts, unweit des innersten Wiens, mag das vielleicht für manche überraschend kommen. Und dennoch, unstreitig liegt es da, das große Katzentier, in die Fassade geschmiegt, als gäb's keinen gewöhnlicheren Platz für seine Raubtierexistenz.

Zugegeben: Das Tigerische daran zu erkennen, braucht's mehr als bloßen Augenschein. Zum einen ist von Streifen an seinem Äußeren keine Spur. Zum anderen lässt sich auch sonst sein Fassadendasein allenfalls als nur ganz allgemein katzenartig beschreiben, der Gestalt nach eher Panther oder Puma denn irgendein Wesen, das der Tigerei im Engeren zuzuordnen wäre.

Als ich kürzlich seiner gewahr wurde, im Vorbeifahren aus der Straßenbahn, hätte ich mir, Zoologe, der ich nicht bin, ohnehin schwer getan, eine nähere Bestimmung dessen, was ich da sah, vorzunehmen. So sehr war ich von der schieren Anwesenheit eines so unerwarteten und durchaus unerwartbaren Schaustücks an der Front dieses Gründerzeithauses überrascht, dass mir sogar ein kleiner Hinweis auf die mutmaßliche Art des Tiers, jedenfalls jene, die es vorstellen sollte, entging: Zwei Häuser weiter nämlich, Alser Straße 12, befindet sich, da haben wir's, die Tiger-Apotheke.

Die habe sich, so weit die auf der Apotheken-Website nachzulesende Erklärung, früher in der Alser Straße 8 befunden und später auf Nummer 12 neu eingerichtet. Die Heilmittel siedelten um, der Tiger blieb auf Nummer 8 – als letzte Ahnung einer Erdgeschoßfront, die im Übrigen längst hinter einer nichtssagenden Dutzendverblendung verschwunden ist. Wer weiß, was sich dahinter sonst noch finden ließe . . .

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2019)

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