Wettläufe durch Grabreihen: Was da noch kommen kann

Zur „Bewegungsarena“ auf dem Zentralfriedhof: Wie wär's mit Wettkämpfen im Grabsteinweitwurf?

Sinn fürs Jenseitige? „Bewegungsarena“-Tafel, Zentralfriedhof.
Sinn fürs Jenseitige? „Bewegungsarena“-Tafel, Zentralfriedhof.
Sinn fürs Jenseitige? „Bewegungsarena“-Tafel, Zentralfriedhof. – (c) Wolfgang Freitag

Bewegung wird ja meist als etwas Positives wahrgenommen. Skeptiker wenden zwar regelmäßig ein, Bewegung allein sei nicht alles, es komme darauf an, wohin man sich bewege, doch nicht nur Leibesübende, auch Gesinnungsathleten wissen um den Mehrwert, den schon Mobilitätssignale allein – etwa in Wahlkämpfen – abwerfen. Was läge also näher, als eine dem Gegenstand nach kaum bewegte Örtlichkeit kraft Bewegungsangebot im öffentlichen Bewusstsein ein wenig, wie soll man sagen, auf Touren zu bringen?

Die Rede ist von der „Bewegungsarena“, die kommenden Samstag offiziell auf dem Wiener Zentralfriedhof eröffnet wird: zwei Laufstrecken, die eine zwei, die zweite fünf Kilometer lang, durch „endlose, interessante Grabreihen“ oder auch rund um die Kirche, die man „nach Passieren der Gruft der österreichischen Bundespräsidenten“ erreicht, so die joggingwegweisende Informationstafel. Und was wäre passender zur Eröffnung als ein Fest mit drei Wettrennen kreuz und quer durch den Gottesacker, den, wer hätte das gedacht, „ersten Laufveranstaltungen in der Geschichte des Wiener Zentralfriedhofs“, folgt man der Website der Friedhöfe Wien.

„Ich finde es einen schönen Gedanken, unsere Verstorbenen an unseren Leben teilhaben zu lassen“, lässt sich die dazugehörige Friedhöfe-Wien-Geschäftsführerin daselbst vernehmen. So viel Zartgefühl, so viel Sinn fürs Jenseitige! Wie werden doch die Verstorbenen teilhaben, wenn die Nikes und die Pumas und die Rebooks an ihren sterblichen Überresten vorübertrampeln!

Die friedhöfliche Bewegungszukunft scheint vorgezeichnet: eine Kletterwand für die Friedhofskirche (Motto: Näher, mein Gott, zu Dir!). Oder Wettkämpfe im Grabsteinweitwurf. Zugegeben, davon ist offiziell noch keine Rede, aber bei so viel neuer Friedhofsbewegung wird man doch nicht auf halbem Wege stehen bleiben . . .

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2019)

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