Donauturm, Donaufeld und die Gier in Bauboomzeiten

Von den Ungehobeltheiten der Vergangenheit zu den Debakeln der Zukunft? Ein Blick über Wien.

(c) Wolfgang Freitag

Es ist schon etwas Besonderes um den Blick vom Donauturm, und das nicht nur jenes Vorzugs wegen, den man schon knapp nach der Errichtung scherzhaft pries: dass man nämlich vom Donauturm aus glücklicherweise den Donauturm nicht sieht. Nein, auch sonst lohnt ein Besuch über den Wipfeln des Donauparks: sei's der neuen, diskret funktionalen Café- und Restaurant-Einrichtung halber, verantwortet von Gregor Eichinger, sei's ob der Perspektive aufs Rundum, die sich hier öffnet – auf Ungehobeltheiten von ehedem (AKH!) wie stadträumliche Debakel von heute (Donau-City!), auf ein kanonisierte Welterbe voller Pracht wie auf etwas, was dereinst ein nicht ganz so prächtiges Erbe abgeben wird.

Was sonst auffällt? Vor allem das üppige Grün, das da und dort mitten im längst Urbanen wuchert: namentlich, quasi nebenan, das Grün des Donaufelds. Ein Grün, um das es manche, auch den Autor dieser Zeilen, leid ist, steht doch die Verbauung unmittelbar bevor.

Ja, es stimmt, schon der Generalstadtplan des Jahres 1912 sah das Donaufeld von Straßen und Plätzen durchzogen, die in der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg nie Wirklichkeit wurden. Und ja, es stimmt, die rund 60 Hektar landwirtschaftlich genutztes Ackerland, keine sechs Kilometer Luftlinie vom Stephansplatz entfernt, ziehen Begehrlichkeiten in Bauboomzeiten wie diesen ohne besonderes Zutun an. Aber werden diese Begehrlichkeiten nicht auch hier in jene Gier umschlagen, die so vielen Wohnquartieren der Gegenwart den Atem nimmt? Ein erster Bauteil, im Südosteck, ist gewidmet, hier sollen 2022 „innovative und leistbare Wohnmodelle“ im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung präsentiert werden. Bleibt zu hoffen, dass die Übung gelingt – nicht nur hier, sondern auch anderswo im Donaufeld.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2019)

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