Rennweg 1, 3, 5 oder: Wenn einer dasselbe drei Mal tut

Otto Wagner jenseits des Postsparcassen-Amts: eine Spurensuche weit hinein ins Historistische.

Architektonische Dreiuneinigkeit: Rennweg 1, 3, 5.
Architektonische Dreiuneinigkeit: Rennweg 1, 3, 5.
Architektonische Dreiuneinigkeit: Rennweg 1, 3, 5. – (c) Wolfgang Freitag

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lang nicht dasselbe. No na, möchte man sagen. Aber was, wenn nur ein Einziger das Gleiche mehrmals tut, und zwar zur selben Zeit am selben Ort – und trotzdem nicht annähernd dasselbe dabei entsteht? Jedenfalls dem äußeren Erscheinungsbild nach.

Die Rede ist von drei Gründerzeithäusern unweit des Schwarzenbergplatzes, genauer Rennweg 1, 3 und 5. Alle drei so gut wie zeitgleich errichtet, um 1890, alle drei stilistisch Kinder ihrer Zeit, des Historismus, alle drei sogar von einer Hand – und dennoch jedes für sich von solcher Eigenart, als hätten sie nichts miteinander gemein, schon gar nicht ihren Architekten. Da wäre einmal Rennweg 1, eher bescheiden, ja asketisch. Dann Rennweg 3 mit seinem herrschaftlichen Stadtpalais-Habitus. Schließlich Rennweg 5, geprägt durch spielerischen Fassadenzierrat irgendwo zwischen Neobarock und Neorokoko.

Nicht nur dass diese architektonische Dreiuneinigkeit einen einzigen Schöpfer hat, scheint auch die Person dieses Schöpfer angesichts des Nimbus, der mit ihr verbunden ist, eher überraschend: Immerhin handelt es sich um Otto Wagner, jenen Neuerer, der die hiesige Architektur aus dem Historismus heraus weit ins 20. Jahrhundert führte, aus jenem Historismus heraus, den er hier gleich in drei Spielarten vorexerziert. Kaum zu glauben, dass zwischen der Wagner-Trias des Rennwegs und Wagners so völlig anders auftretendem Postsparcassen-Amt am Georg-Coch-Platz keine 15 Jahre liegen.

Noch viel mehr Erhellendes in Wagner-Sache hält Gregor Auenhammers architektonischer Reiseführer „Auf den Spuren von Otto Wagner“ (Styria Verlag) bereit. Ein charmant-kundiger Wegbegleiter auf Wagner-Expeditionen aller Art. Schließlich: Otto Wagner ist immer eine Reise wert – nicht nur in Otto-Wagner-Jahren.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2019)

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