Urlaub mit Excel-Tabelle

Beim Thema Reiseplanung kann man die Menschheit grob in drei Kategorien einteilen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Beim Thema Reiseplanung kann man die Menschheit grob in drei Kategorien einteilen. Die einen lagern die Planung aus und buchen eine Pauschalreise, eine Kreuzfahrt oder fahren bei den Schwiegereltern mit. Die anderen pfeifen aus Prinzip auf Planung. Sie buchen einen Flug und höchstens die erste Unterkunft, kaufen sich eine Schlabberhose aus bunter Baumwolle und einen Reiseführer mit dem Untertitel „Ganz Asien auf 350 Seiten“. Und dann gibt es die dritte Kategorie.

Zu dieser zähle ich mich. Menschen wie ich überlassen nichts dem Zufall. Wir bereiten jede Reise akribisch vor, recherchieren uns durch Blogs und Bücher, ordnen unsere Ergebnisse in Excel-Tabellen und Google-Docs. Wir durchforsten Fahrpläne und Sonnenauf- und -untergangstabellen, vergleichen die Wahrscheinlichkeit von Hai-Attacken an verschiedenen Stränden und schauen auf den Onlinefotos anderer Reisender nach, ob an diesem einen, wegen seiner Blütenpracht empfohlenen Wanderweg im Süden Japans Anfang März überhaupt schon etwas blüht. Wir machen Listen der Gerichte, die wir probieren wollen, und prägen uns ein, ab welchem Preis bei einer Tuk-Tuk-Fahrt die Abzocke beginnt. Einmal habe ich vor einem Inselausflug sogar eine Gezeitengrafik studiert (kein Scherz). Und natürlich fahre ich nicht ohne Restaurantreservierung nach Kapstadt und nicht ohne Theaterkarten nach London!

Das klingt zwanghaft? Ist es auch – aber es hilft, aus der eh immer viel zu kurzen Zeit das Meiste und Beste herauszuholen. Urlauber der ersten Kategorie treffe ich auf meinen Reisen selten. Jene der zweiten schon eher. Man müsse sich auf Reisen doch treiben lassen, erklären sie mir, man müsse offen sein für Spontanes! Beim Reisen gehe es doch darum, den Flow eines Ortes zu spüren, um Intuition, um Begegnungen! Ja, eh, denke ich mir. Aber dann stellt sich heraus, dass sie seit Tagen nur anderen Backpackern in Schlabberhosen begegnen, die wie sie in diesem kleinen chilenischen Wüstendorf festsitzen, weil sie nicht gewusst haben, dass nur dienstags und freitags ein Bus in die nächste große Stadt fährt.

In meiner Excel-Tabelle steht das natürlich drinnen.

E-Mails an: katrin.nussmayr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2019)

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