Der Schleim ist wieder da

Sie werden es nicht glauben können, aber: Die Slimys sind zurück.

Sie erinnern sich eh noch, oder? Das sind diese neonfarbenen, glitschigen Massen, die man in die Hände nehmen kann, auseinanderziehen, quetschen, an die Wand werfen, damit sie dort einen zarten giftgrünen Schleier hinterlassen. Kurz: Aus Erwachsenensicht eine völlig sinnlose Erfindung, die nebenbei den Wert der Wohnung nach und nach mindert.

Und jetzt gibt es diese Schleimmassen wieder. (Vielleicht waren sie eh nie weg, sind uns nur bis vergangene Woche nicht untergekommen.) Seit ich als Kind mit meinem knallgrünen Slimy die eine oder andere Tapete unmerklich beeinträchtigt habe, haben die Schleimhersteller enorm nachgerüstet: Da gibt es jetzt alle erdenklichen Farben und Größen. Man kann sogar Glitzer und „magisches Pulver“ kaufen und seinen eigenen Schleim anrühren. Was den ebenfalls angebotenen „Professor Slime“ so professorenhaft macht (außer dass er in einem schicken Laborgefäß daherkommt), konnte ich leider nicht herausfinden. Ein anderer Schleim ist nach eigenen Angaben ein Super Stretchy Puff Slime, der daneben heißt Bouncing Putty, was die Befürchtung nahelegt, dass dieses blitzblaue Etwas auch noch bouncen, also springen, kann. Es gibt aber auch einen himmelblau-weißen Wolkenschleim junior (die Senior-Variante war leider nicht in Sicht).

Und irgendwo dazwischen stand mein alter Urslimy: Er wird immer noch in einer Packung in Gespensterform verkauft und verspricht, „stark, laut und megafrech“ zu sein. Der Hinweis „Swiss Formula“ zeigt, dass die Schweiz nicht nur für Neutralität, sondern offenbar auch für besonders vertrauensvolle Slime-Herstellung steht. (Dass einige dieser Slimes – in manche kann man auch noch Styroporkügelchen streuen – mit dem Hinweis „natural“ versehen sind, kann nur ironisch gemeint sein.) Das Kind hat einen Teil seines Taschengeldes jedenfalls in so einen neuartigen Schleim investiert. Und wissen Sie was? Ein ganz klein wenig tut es mir leid, dass ich mir nicht meinen alten Gespensterslimy gekauft habe. Aber erzählen Sie das bloß nicht weiter.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2019)

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