Aperitif und Ausstattung

Meine Au-pair-Familie hat fast jeden Abend Gäste zum Aperitif geladen, und ich muss sagen, das ist das interessanteste Einladungssystem überhaupt.

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Mit gesalzener Butter bin ich das erste Mal vor vielen Jahren als Au-pair in Frankreich in Berührung gekommen, und mein damaliger Gedanke war: Was für eine kranke Erfindung. Heute ist mein Gedanke: Was für eine kranke Erfindung, ohne die ich nicht mehr leben will. In Frankreich habe ich überhaupt extrem viel gelernt, außer ordentlichem Französisch natürlich. Zum Beispiel hat meine Au-pair-Familie fast jeden Abend Gäste zum Aperitif geladen, und ich muss sagen, das ist das interessanteste Einladungssystem überhaupt. Alle haben ein alkoholisches Getränk bekommen, eine Kleinigkeit zum Knabbern, dann stand man im Kreis herum, hat sich freundlich über die Blumen im Garten sowie den Zustand der Gewerkschaft unterhalten, und exakt eine Stunde später hat die Gastgeberin die Runde hochkant aus dem Haus geschmissen. Von der Au-pair-Mutter habe ich auch gelernt, wie man eine stinknormale Suppe mit gängigen Gemüsesorten stinknormal püriert, aber das Ganze recht dynamisch und minutenlang als „la soupe de légumes maison“ königlich anpreist. Der Au-pair-Vater hatte auch so ein Faible für blumige und poetische Beschreibungen des Gurkensalats. Ihre beiden (sehr braven) Kinder im späten Volksschulalter waren da ein bisschen erdiger. Sie haben simple Sätze mit mir gesprochen, und der einzige Schabernack, den ich mitbekommen habe, hat darin bestanden, dass ihnen der Großvater einmal heimlich Blauschimmelkäse zum Essen gegeben hat (?!). Ich habe sie bei dieser offenbar verbotenen Aktivität nämlich erwischt, und alle drei haben so getan, als würde es sich um eine andere Käsesorte handeln. Da wusste ich auch nicht weiter.

Bei einer anderen Sache – es folgt ein jäher Zeit- und Themenwechsel – bin ich ebenfalls ratlos und bitte um Hinweise. Denn meine Recherchen verliefen ins Leere. Als ich kürzlich Mittagessen kaufte, bei einem jungen Kellner, und diesem Kellner ein wenig Trinkgeld überließ, bedankte sich er bei mir mit dem Wort „Ausstattung“. Auf meine Nachfrage hin („Hä?“) antwortete er, dass das eine altwienerische Art sei, sich für Trinkgeld zu bedanken. Wie kommt das?

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2019)

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