Die rätselhafte Beziehung zwischen Mensch und Geld

Kaum ein Begriff ist dehnbarer als Sparsamkeit. Außer vielleicht: Verschwendung.

Das Gefühl für Sparsamkeit ist schon ein seltsames Phänomen. Vor allem ist Sparsamkeit ein ausgesprochen dehnbarer Begriff. Ein enger Freund, seines Zeichens Sportmediziner und Herzspezialist aus Salzburg, der seit einigen Jahren in Zürich lebt, bezahlt allen Ernstes einen Fitnesscoach dafür, dass er ihm einen Trainingsplan erstellt. Joggen, Rad fahren, Gewichte heben, Ernährung, Sie wissen schon. Er selbst will sich die Zeit dafür einfach nicht nehmen und verbringt lieber ein paar mehr Mußestunden mit seinen Kindern.

Gleichzeitig nimmt er aber den Zug, wenn er einen Termin in Wien hat und die Reise selbst zahlen muss. Der Flug ist ihm zu teuer. Und er hat oft Termine in Wien, sicher drei- bis viermal im Jahr. Er wolle mit seinem hart verdienten Geld sparsam umgehen, sagt er. So wie ein anderer gemeinsamer Freund, der niemals jemanden dafür bezahlen würde, ihm einen Trainingsplan zu erstellen. Ebenso wenig würde er auf die Idee kommen, neun Stunden in einem Zug von Wien nach Zürich zu sitzen, um ihn zu besuchen. Er fliegt lieber. Selbst dann, wenn der Flug dreimal so viel kostet wie der Zug.

Schon erstaunlich, wofür man gern Geld ausgibt und wofür nicht. Rational schwer erklärbar. Es gibt Leute, die einen Turbo-Porsche fahren, aber aus dem Ausland keine SMS verschicken. Die 150 Euro pro Monat für ein Fitnessstudio ausgeben, aber im Restaurant immer nur Leitungswasser bestellen. Die sich jedes Jahr einen neuen Laptop kaufen, aber zehn Jahre lang dieselbe Jeans tragen. Wovon diese Eigenheiten wohl abhängen mögen? Erziehung? Veranlagung? Gruppenzwang? Von allem etwas? Ist ja auch nicht so wichtig. Beziehungen zwischen Mensch und Geld sind eben rätselhaft, unabänderlich und für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Ein bisschen wie Beziehungen zwischen Mensch und Mensch.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2019)

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