Was so ein Gießsack alles kann (und was nicht)

Über Otto Wagner, die Wasserversorgung von Jungbäumen und Wiens Stadtgärtnerei.

Behübschung sieht anders aus: ein Wiener Gießsack.
Behübschung sieht anders aus: ein Wiener Gießsack.
Behübschung sieht anders aus: ein Wiener Gießsack. – (c) Wolfgang Freitag

Etwas Unpraktisches kann nicht schön sein“, lautet ein oft bemühter Satz des großen Otto Wagner, und wer schon einmal mit Alltagsgegenständen Bekanntschaft machen musste, die hübsch anzusehen, doch zu nichts zu gebrauchen waren (und wer hätte das nicht?), wird zumindest ahnen, was Wagner mit diesem Satz gemeint haben mag.

Das freilich darf uns nicht im Umkehrschluss vermuten lassen, alles Praktische sei allein ob seines Praktischseins auch schön. Womit wir bei jenen vergleichsweise neuen – wie soll man sagen? – Errungenschaften des Wiener Stadtbilds angekommen wären, die mittlerweile sich von der Innenstadt bis in die Außenbezirke ausgebreitet haben: den sogenannten Gießsäcken, die Wiens Stadtgärtner seit einiger Zeit ihren frisch gepflanzten Bäumen angedeihen lassen.

Immerhin: Die gießsäckliche Zweckmäßigkeit scheint außer Streit zu stehen (was an dieser Stelle nicht gering geschätzt sein soll). Immerhin haben sich Wiens Stadtgärtner ein ganzes Jahr Zeit genommen, um zu überprüfen, ob Gießsäcke erfüllen, was man von ihnen erhofft: die Wasserversorgung von Jungbäumen zu verbessern. Die Säcke nämlich, nach Maßgabe der Wetterlage stadtgärtnerseits mit Wasser befüllt, verfügen über kleine Löcher, durch die das Wasser kontinuierlich aus- und folglich stetig in den Wurzelballen eintritt. So weit die unstreitig erfreuliche Seite der Gießsack-Sache.

Mit der weniger erfreulichen ist nicht der Baum, dafür der Betrachter konfrontiert. Anders gesagt: Baumbehübschung sieht anders aus. Allen Feinfühligen kann freilich Trost gespendet werden: Kein Makel verflüchtigt sich so schnell wie jener, jung zu sein. Auch bei Bäumen. Und dann ist's Baum für Baum vorbei mit der Gießsäcklerei . . .

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2019)

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