Folien und Post-its

Ich hatte mir ja fix vorgenommen, Ihnen und mir mein allherbstliches Klagen über das Bekleben von Schulbüchern mit durchsichtigen Folien zu ersparen.

Alles Wichtige wird nun auf kleinen Zettelchen notiert, die sich wunderbar auf Bildschirm, Terminplaner, Geldtascherl picken lassen.
Alles Wichtige wird nun auf kleinen Zettelchen notiert, die sich wunderbar auf Bildschirm, Terminplaner, Geldtascherl picken lassen.
Alles Wichtige wird nun auf kleinen Zettelchen notiert, die sich wunderbar auf Bildschirm, Terminplaner, Geldtascherl picken lassen. – (c) Michaela Bruckberger

Die Profis nennen diesen Vorgang Folieren. (Wobei, kann es Profis bei dieser Tätigkeit geben, bei der auch nach Jahren der Übung Luftblasen und verwuzelte Stellen die Kontrolle übernehmen?) Ich wollte also wirklich nichts sagen, aber dann begegnete mir in Schulwoche eins beim Libro ein Verkaufsstand mit den Horrorfolien (wie wir Nichtprofis sagen), ich fotografierte ihn und teilte ihn auf Facebook – und die vielen Reaktionen zeigen mir, wie viele Menschen betroffen sind: viele Leidensgeschichten, wenige Tipps (eine Bibliothekarin rät zur Verwendung eines Falzbeins, falls Sie motivierter sind als ich), großes Mitgefühl.

Man kann so einem Schulanfang aber auch viel Positives abgewinnen. Weil: Neustart, alles ordentlich und so. Während das Kind sein Federpennal mit neuen Buntstiften sortiert hat, habe ich – auch als Erwachsener beginnt nach den Ferien gefühlt das neue Arbeitsjahr – mir ebenso die besten Vorsätze für einen ordentlichen Arbeitsalltag vorgenommen. Ich bin nach vielfachem Ausprobieren – Wichtiges in den Terminplaner kritzeln, To-do-Listen schreiben, auswendig merken – auf Post-its umgestiegen. Alles Wichtige wird nun auf kleinen Zettelchen notiert, die sich wunderbar auf Bildschirm, Terminplaner, Geldtascherl picken lassen. Kleines Problem: Meine Handschrift ist auf neonfarbenen Quadraten genauso unleserlich wie auf großen To-do-Listen. Und: Nicht alle Post-its sind für die Ewigkeit gedacht. Manche trägt die Zugluft im Büro ein Stückchen weit von meinem Arbeitsplatz weg (sprich auf Nimmerwiedersehen), andere landen in den Untiefen der Handtasche. So habe ich neulich einen zerknüllten, pinkfarbenen Zettel gefunden, auf dem etwas stand, das sich so liest wie „Zicker“. Bis mir einfällt, wer oder was das sein könnte und was ich dann tun muss (Ist es ein Mensch, den ich treffe? Ist es etwas, das ich beim DM besorgen soll?), könnte ich die Zeit nützen und ein paar Bücher folieren. Oder eine Kolumne schreiben. Vielleicht eher Letzteres.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2019)

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