Apparat darf man heute ja gar nicht mehr sagen

In der Technik merkt man besonders deutlich, wie sich Sprache mit dem Fortschritt verändert.

Heute ist ja nichts mehr ein Apparat. Das spricht einerseits für den Sprachwandel, andererseits aber auch dafür, dass die Technik den Nimbus des Wundersamen verloren hat. Beim Radioapparat etwa schwang noch mit, dass sich hinter der Fassade mit den Drehknöpfen etwas abspielt, was man selbst nie durchschauen würde. (Das tut man zwar bei der heutigen Technik noch viel weniger, doch sprachlich gesteht man sich das Unverständnis nicht mehr ein.) Der Apparat, abgeleitet vom lateinischen parare – etwas vorbereiten –, bezeichnet ein für einen bestimmten Zweck entwickeltes Gerät. Und wirkt heute antiquiert. Der Rasierapparat wurde zum Rasierer, der Fernsehapparat zum Fernseher – oder zum Flatscreen („in die Röhre“ schaut man ohnehin schon lang nicht mehr). Und wer sich am Telefon noch mit „am Apparat“ meldet, hält sich vermutlich gerade kein Smartphone ans Ohr. (Oder auch so wie ein Butterbrot vor den Mund – warum eigentlich?)

Wobei das Telefon – früher noch Telephon – ja früher sogar noch Fernsprecher genannt wurde. So simpel, dass man anhand des Begriffs sofort die Funktion des Apparats verstand, wirkt das Wort heute fast schon naiv. So wie auch die Schallplatte. Oder das Tonband. Interessant übrigens, dass man auch bei digitalen Aufnahmen noch heute gelegentlich sagt, dass man etwas auf Band hat. Das erinnert daran, dass man in vielen Anwendungen (früher sagte man noch Programme dazu) am Computer zum Abspeichern eines Dokuments noch das Symbol einer Diskette anklicken muss. Nicht, dass man derartige magnetisierte Scheiben zur Datenspeicherung heute noch verwenden würde. Geschweige denn, dass junge Menschen überhaupt wüssten, was das Symbol bedeutet. Nun, auf solche Disketten hat man früher seine Daten gespeichert – am Heimcomputer, aber das sagt heute ja auch kein Mensch mehr.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2019)

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