Vor 100 Jahren: Der Däne, der den Wiener Kindern half

Porträtbüste, Gedenktafel – und doch vergessen: Wer war Sigurd Jacobsen (1882–1948)?

Jacobsen-Gedenktafel am Josefstöckl, Augarten.
Jacobsen-Gedenktafel am Josefstöckl, Augarten.
Jacobsen-Gedenktafel am Josefstöckl, Augarten. – (c) Wolfgang Freitag

Porträtbüste hin, Gedenktafel her: So steinern oder bronzen kann gar nicht gedacht werden, dass mancher Wirken – und sei es noch so segensreich gewesen – nicht doch nur allzu rasch unserem Bewusstsein entschwände. Ja schlimmer noch: Gerade was segensreich, scheint sich unvermeidlich sehr viel weniger tief in uns einzugraben als all die Schrecken, die uns andere als Erbe hinterlassen.

Sigurd Jacobsen (1882–1948) ist so einer, der, zwar mit allerlei öffentlichen Gedächtnisgesten bedacht, dennoch so gut wie vergessen ist. Fünf Jahre sind vergangen, seit ich an dieser Stelle erstmals an den dänischen Rechtsanwalt erinnerte, 100 Jahre, seit jene Hilfsaktion begann, die ihm die Dankbarkeit Zigtausender Wiener Kinder eintrug.

Wie's dazu kam? Ein Bruder Jacobsens hatte 1918/1919 als Arzt am Allgemeinen Krankenhaus zu Wien erfahren, wie's um die Gesundheit hiesiger Kinder stand, und den Bruder in Dänemark um Unterstützung gebeten. Der wiederum mobilisierte dänische Familien, fand Sponsoren – und am 16. September 1919 konnte ein erster Transport den Franz-Josephs-Bahnhof Richtung Dänemark verlassen, in den Waggons 500 ausgemergelte Gestalten: Anfang der Aktion „Wiener Kinder“, der nach dem Ersten Weltkrieg 25.000, nach dem Zweiten Weltkrieg 14.000 Heranwachsende ein paar Monate Erholung in Frieden und dänischem Wohlstand verdankten.

Eine Porträtbüste im Theodor-Körner-Hof erinnert an das Tun des wohltätigen Dänen. Und eine Gedenktafel am – übrigens strahlend renovierten – Josefstöckl des Augartens: 1919 Zentrum der Jacobsschen Aktivitäten, heute Volksschule der Wiener Sängerknaben – und am 17. September Ort einer kleinen Gedenkfeier der Österreichisch-Dänischen Gesellschaft. Näheres unter www.oesterreichdaenemark.org.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2019)

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