Die Wiener Berge und der Wienerberg

Wer die Mühe nicht scheut, kann auf einer Rundtour Wiens landschaftliche Reize erradeln.

Das Gute, so heißt es, liegt so nah. Oder steht es? Das kann man sich fragen, wenn das Gute ein Berg ist, wobei es im Fall des Kahlenbergs mit seinen bescheidenen 484 Metern doch ziemlich eindeutig ist. Andererseits: Eine Radroute, die knapp an Wiens höchstem Punkt (Hermannskogel) vorbeiführt, „hügelig“ zu nennen, wird der Topografie auch nicht ganz gerecht. Vor allem aber entspricht diese Wortwahl auf der Website der Mobilitätsagentur (www.fahrradwien.at/radtouren) nicht dem, was ein argloser Radler sich von der empfohlenen Radroute Praterstern–Höhenstraße–Praterstern erwarten mag bzw. was selbigen Radler auf der Strecke erwartet: immerhin 400 Höhenmeter.

Die Höhenstraße ist am Fahrbahnrand stellenweise tief zerklüftet – Benedikt Kommenda

Mit einem Wiener Citybike sollte man es erst gar nicht probieren, die drei Gänge wären entschieden zu wenig. Und wenn wir schon bei weniger gut geeignetem Gerät sind: Ein Rennrad mit ganz schmalen Reifen ist auch nicht ideal, weil das Kopfsteinpflaster auf der Höhenstraße generell einer Waschrumpel gleicht und speziell am Fahrbahnrand stellenweise stark zerklüftet ist.

Auf der Höhenstraße sind wir aber schon mittendrin. Start und Ziel sind am Praterstern, es geht den Donaukanal entlang bis zur Müllverbrennungsanlage Spittelau, über die sonntags ruhigere Billrothstraße nach Sievering und von dort auf den Cobenzl; dann hinüber auf den Kahlenberg, wo sich just heute die Niederlage der Osmanen 1683 jährt und die unsäglichen Identitären am Wochenende nicht aufmarschiert sind. Nach einem Abstecher auf den Leopoldsberg führt die Route durch Klosterneuburg zur Donau, über die Donauinsel und die Reichsbrücke zurück zum Start. Mit Wasser, Wienerwald und Bergen hat man Wiens landschaftliche Reize erradelt. Wer im Süden der Stadt wohnt, kann zur An- und Abreise noch über den Wienerberg fahren. Dieser liegt aber sicher und ist wirklich nur ein Hügel.

E-Mails an: benedikt.kommenda@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2019)

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