Diese Stadt hat ein Imageproblem

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Diese Stadt Imageproblem
Diese Stadt Imageproblem
Spaghetti – (c) BilderBox.com

Mit diesen Worten leitete ein Freund kürzlich eine E-Mail ein, in der sich ein Hinweis auf ein gar nicht so unoriginelles Kolumnenthema verbarg: Städte mit Imageproblemen. Spaghetti bolognese, so schrieb er, seien ja bei der Elterngeneration noch sehr beliebt gewesen. Doch spätestens seit dem ominösen Bologna-Prozess mit seinen Bakkalaurei (ja, so heißt das im Plural) seien sie in Studenten-WG mittlerweile tabu. Und auch bei Pisa denke seit der gleichnamigen Studie kaum mehr jemand an schiefe Türme, sondern an Kinder, die bei Lesen, Schreiben und Mathematik versagen. Zu guter Letzt wäre da auch noch Maastricht, das wir vor allem damit verbinden, dass wir uns strengen Kriterien unterwerfen müssen. Allerdings, bevor die EU-Konvergenzkriterien in Kraft traten, hatte die niederländische Provinzstadt hierzulande eigentlich gar kein Image – man wusste vermutlich nicht, dass sie überhaupt existiert.

Durchblicken diverse Großstädte einmal dieses Phänomen, werden sie sich wohl mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass bei ihnen noch irgendein Abkommen geschlossen oder ein Protokoll ratifiziert wird. Schließlich will man in einer Assoziationskette nicht unbedingt neben überbordender Bürokratie, sozialen Einschnitten oder Bildungswirrwarr seinen Platz finden. Aber keine Angst, irgendwelche Gemeinden werden statt ihrer diese Last auf sich nehmen – schließlich ist eine schlechte Assoziation besser als gar keine, oder? Und so warten wir schon freudig auf die Gramatneusiedler Kriterien, die Rattenberg-Protokolle und den Loretto-Prozess, die fortan zu geflügelten Worten der europäischen Vertragslandschaft werden könnten. Auch auf die Gefahr hin, dass Spaghetti à la Loretto in Studenten-WG dann tabu sind.


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2010)

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