Mein Montag: Zuerst meinen Wählern danken!

Können wir uns bitte auf ein paar Sätze einigen, die wir bei jedem Gespräch voraussetzen, ohne dass sie explizit ausgesprochen werden müssen?

Mein Montag Zuerst meinen
Mein Montag Zuerst meinen
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Gerade nach einer geschlagenen Wahl könnte man so viel an sinnvollerer Gesprächszeit retten, würde nicht jeder Interviewpartner auf eine Frage des Moderators diese unerträgliche Phrase anstimmen: „Lassen Sie mich mich zuerst bei allen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen bedanken!“ Ja, ist schon recht, aber können wir bitte endlich zum Punkt kommen! Ähnlich verhält es sich bei Gesprächen mit Spitzenköchen, die man nach dem Geheimnis ihrer Kochkunst fragt – da interessiert es einfach nicht, zum hundertsten Mal zu hören, dass es besonders „auf beste Zutaten“, womöglich „saisonal“ und „aus regionalem Anbau“ ankommt. Und liebe Fußballspieler und -trainer: Wir nehmen zur Kenntnis, dass jedes Spiel ein, wenn schon nicht korrekt „schwieriges“, so doch ein „schweres“ ist. Es erübrigt sich somit dieser Hinweis vor jeder Partie. Bitte.

Aber zurück zur Politik. Die Feststellung, dass es „mündige Bürger“ waren, die da zur Wahl geschritten sind, setzen wir als bekannt voraus. Demnach wollen wir ab sofort zu diesem Thema nur noch etwas hören, wenn jemand das Gegenteil behauptet. Auch, dass jedes Wahlergebnis als „Auftrag der Wähler“ verstanden wird, nehmen wir als Wahrheit hin – ob es nun stimmt oder nicht. „Wir werden in den zuständigen Gremien darüber beraten“ sollte sofort mit einer Verwarnung für den Funktionär sanktioniert werden, der sich bei der Frage nach den Konsequenzen des Ergebnisses hinter dieser Hohlphrase versteckt. Besonders, wenn darauf ein „Wir werden zu einer guten Lösung kommen“ folgt. Gut, und bevor ich diese Kolumne beende, möchte ich noch gern meinen Leserinnen und Lesern danken.

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2010)

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