Flughafen: „Dritte Piste kommt nur, wenn sie sich rechnet“

Nach dem Skylink-Debakel will der Vorstand noch keine Kostenschätzung für das neue Bauprojekt abgeben. Es dürfte aber weit mehr als eine Mrd. Euro kosten. Die Entscheidung über den Bau fällt erst 2014.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien/Eid. Mit Zahlen hatte der Flughafen Wien zuletzt kein Glück. Vor allem, wenn es um Kostenvoranschläge ging. Beim neuen Terminal Skylink (jetzt Check-In-3) haben sich die Kosten von den ursprünglich genannten 400 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Beim nächsten Megaprojekt, der dritten Piste, ist der neue Flughafen-Vorstand deshalb vorsichtig – und gibt erst gar keine Schätzung bekannt.

„Wir haben aus dem Desaster beim Skylink gelernt“, meinten Günther Ofner und Julian Jäger am Mittwoch. Die Fehler haben ihre Vorgänger Herbert Kaufmann, Ernst Gabmann und Gerhard Schmid den Job gekostet. Zahlen lieferten Ofner und Jäger dennoch in Hülle und Fülle – zum Zeitplan und um die Bedeutung der Piste für den Wirtschaftsstandort Wien zu untermauern. Ende der Woche wird der positive Bescheid der Niederösterreichischen Landesregierung zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erwartet. Dann beginnt die sechswöchige Einspruchsfrist. Der rechtskräftige Bescheid des Umweltsenats dürfte zur Jahreswende 2013/14 vorliegen.

 

Zwei Jahre Bauzeit

Schon für Ende dieses Jahres kündigte Ofner eine erste Baukostenschätzung an. Bisher kolportierte Zahlen zwischen 1,3 und 1,8 Mrd. Euro bestätigte er nicht. Die Kosten würden stark vom Umfang der Auflagen (Lärmschutz, Schutzwälder) bestimmt. Grünes Licht für den ersten Spatenstich wird es erst 2014 geben – nach zweijähriger Bauzeit könnte die Start- und Landebahn 2020 in Betrieb gehen.

Abhängig macht der Airport den Bau nicht nur von der Entwicklung der Luftfahrt allgemein, sondern auch von den großen in Wien ansässigen Airlines AUA und Air Berlin/Niki. „Wenn die derzeitigen Prognosen eines jährlichen Anstiegs der Passagierzahlen von vier Prozent nicht eintreffen, sich die allgemeine Konjunktur dramatisch verschlechtert und sich die Piste daher wirtschaftlich nicht rechnet, wird nicht gebaut“, sagte Ofner.

Prinzipiell spreche aber trotz einiger Dellen in den vergangenen Jahren alles dafür, dass die Luftfahrt ein Wachstumsmarkt sei. Der Flughafen geht für 2020 von zumindest 30 Millionen Passagieren aus (jetzt sind es 22 Millionen). Mit dieser Marke wäre die bisherige Zwei-Pisten-Kapazität von Wien aber endgültig erschöpft. Die Zahl der Flugbewegungen pro Stunde könne durch die dritte Piste von derzeit maximal 72 auf bis zu 95 erhöht werden.

Die Piste ist für Ofner und Jäger kein „Steckenpferd des Vorstands“, sondern ein „zentraler Baustein der Infrastruktur“, die Wien angesichts der Verzögerungen in Berlin und des Ausbaustopps in München einen Wettbewerbsvorteil bringe. Die AUA-Mutter Lufthansa hatte angekündigt, notfalls stärker über Wien oder Zürich auszuweichen. Der Ausbau sei daher auch eine Jobmaschine: Pro einer Million zusätzlicher Passagiere würden auf dem Flughafen direkt 1000 und indirekt 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen, rechneten die Manager vor.

 

Umweltfonds für Anrainer

Dass es bei einem derartigen Projekt nicht ohne Kritik gehe, sei klar, räumte Ofner ein. Das für die Piste im Jahr 2000 gestartete Mediationsverfahren und die UVP seien europaweit einzigartig. An die Ergebnisse sei man gebunden. Unter anderem wird es von 22.30 bis sechs Uhr früh keine Nutzung der dritten Piste geben. Für Lärmschutzfenster von Anrainerhäusern wurden bisher 50 Mio. Euro ausgegeben. Zudem wird ein Umweltfonds eingerichtet. Sorgen, dass sich die Zahl der Überflüge über Wien vervielfachen könnte, wurden zurückgewiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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