Die Stimme der Wiener Linien wird weiblich

Die Stationsdurchsagen der Wiener Linien wird als Teil eines neuen Klangkonzepts künftig eine Frau sprechen, der langjährige Sprecher Franz Kaida geht endgültig in den Ruhestand.

(c) Clemens Fabry

Wien. Der Sound von Wien wird sich in den kommenden Wochen massiv ändern – denn die wohl meistgehörte Stimme der Stadt wird in wenigen Wochen in den Ruhestand geschickt: Seit 1968 sprach Franz Kaida die Stationsdurchsagen der Wiener Linien, künftig soll die Information der Fahrgäste durch eine Frauenstimme erfolgen. „Wir würden gerne die Art und Weise, wie wir akustisch mit den Fahrgästen kommunizieren, ändern“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. Und bei einer Befragung haben sich die Fahrgäste für eine weibliche Stimme ausgesprochen.

Etwa Mitte September werden auf der Website der Wiener Linien zwei Stimmen zur Abstimmung gestellt – eine davon soll die Stimme der Wiener Linien werden. Das betrifft aber nicht nur die Stationsdurchsagen, sondern den gesamten akustischen Auftritt des Verkehrsunternehmens. „Wir wollen eine Stimme, die mit den Wiener Linien assoziiert wird, so wie es Chris Lohner mit den ÖBB wird“, sagt Gries. Noch dieses Jahr soll die neue Stimme zu hören sein – und das auch auf Englisch.

Doch damit allein ist die neue akustische Identität der Verkehrsbetriebe noch nicht komplett – gleichzeitig werden sämtliche akustischen Signale neu gemacht, von den U-Bahn-Türhupen bis zur Telefonwarteschleife. „Es geht auch darum, die Markenwerte der Wiener Linien klar zu kommunizieren“, sagt Herwig Kusatz, der mit seiner Firma Sound Strategy an der Neukonzeption beteiligt war. „Also etwa Pünktlichkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Dynamik und Modernität.“ Gleichzeitig wolle man aber auch weg vom bürokratischen und altbackenen Ton kommen, wie er zum Teil noch immer verwendet wird. „Mein Ziel ist“, sagt Kusatz, „dass die Mundwinkel der Gäste ein bisschen nach oben wandern.“

Besser erkennbar sollen künftig die Klänge zur Aufmerksamkeitserregung werden – Durchsagen, Störungsmeldungen oder anderen Informationen sollen klare Signale zugeordnet werden. Und es gibt auch die Überlegung, den Abfertigungsvorgang im U-Bahn-Bereich zu modifizieren. Hinweise wie „Zurückbleiben, bitte“ und „Zug fährt ab“ könnten etwa durch Signaltöne ersetzt werden.

 

Abschied vom alten Sprecher

Dinge, an die man sich gewöhnen wird – wenn auch der Abschied bei manchen Fahrgästen emotional ausfallen wird. Vor allem der von Franz Kaida, der seit Beginn der automatisierten Durchsagen das akustische Bild der Stadt prägte. Der heute 70-Jährige begann bei den Wiener Linien als Techniker, nachdem er zuvor beim ORF schon Einsätze als Rundfunksprecher hatte – Sprechausbildung inklusive. Genau daran erinnerte sich später ein Mitarbeiter, als es darum ging, zu Beginn der „Schaffnerlos“-Ära eine Stimme für die Durchsagen in den Straßenbahnen zu finden. Seither ertönt Kaidas Stimme aus den Lautsprechern sämtlicher öffentlicher Verkehrsmittel in Wien.

Kaida bekam auch immer wieder Anfragen, seine markante Stimme für diverse Anlässe zur Verfügung zu stellen – etwa indem er Glückwünsche aufs Band sprach. Und obwohl sein Gesicht in der Öffentlichkeit kaum bekannt war, wurde er doch auf der Straße immer wieder angesprochen, ob er denn nicht die Stimme aus der Straßenbahn sei.

 

Durchsagen nach dem Ruhestand

Seine Bekanntheit brachte ihm abgesehen von derartigen Episoden materiell nichts ein – denn Geld hat er für seine Sprechrolle nie bekommen, sondern die Durchsagen immer nur neben seinem regulären Job gemacht. Vor seiner Pensionierung Ende 2004 war Kaida Abteilungsleiter des sicherheitstechnischen Dienstes der Wiener Linien. Aber auch in der Pension ging er noch etwa einmal im Monat für neue Ansagen ins Tonstudio. Nun kann er tatsächlich in den Ruhestand wechseln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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