Von Polizisten angeschossen: 37-Jährige vor Gericht

Die Frau wurde in ihrer Wohnung Anfang März von Polizisten niedergeschossen, nachdem sind mit zwei Messern auf die Beamten losgegangen war.

Polizisten angeschossen 37Jaehrige Gericht
Polizisten angeschossen 37Jaehrige Gericht
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Neun Mal schoss ein Polizist am 7. März 2012 in einer Wohnung in der Goldschlagstraße in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus auf eine 37-Jährige. Die Frau war mit zwei Küchenmessern in den Händen auf die Beamten losgegangen. Am Mittwoch hat die Verhandlung gegen die 37-Jährige im Straflandesgericht begonnen. Der Frau hätte die Anklagebehörde absichtliche schwere Körperverletzung angekreidet, wäre diese von Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith infolge ihrer paranoiden Schizophrenie nicht als zum Tatzeitpunkt zurechnungsunfähig eingestuft worden.

Da die 37-Jährige von Rossmanith aber als derart gefährlich angesehen wird, dass bei ihr mit neuerlichen Straftaten mit schweren Folgen zu rechnen ist, forderte Staatsanwältin Bettina Rudl den Schöffensenat auf, die Frau unbefristet in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen.  

Die 37-Jährige musste im Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht werden. Sie leidet körperlich erheblich an den Folgen der erlittenen Schussverletzungen und befindet sich seit Anfang August in stationärer Behandlung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Die Frau selbst hatte die Polizei und die Feuerwehr Anfang März wegen eines angeblichen Feuers an ihre Adresse gerufen. Es habe plötzlich an ihrer Tür geklopft, so die Angeklagte bei ihrer Einvernahme. Sie habe durch das Guckloch im finsteren Gang nur "Umrisse von Personen" erkannt und ein "unfreundliches Murmeln" wahrgenommen: "Ich hatte den Eindruck, bei mir bricht jemand ein. Für mich waren das räuberische Einbrecher, wo ich Angst hatte."

"Wollte abschreckend wirken"

Als die Feuerwehr die Wohnungstür aufgebrochen hatte und sich insgesamt fünf Polizeibeamte in die Wohnung begeben hatten, befand sich die 37-Jährige bereits mit zwei je 20 Zentimeter langen Küchenmessern im versperrten Badezimmer: "Ich wollte abschreckend wirken. Das ist mir - muss ich leider sagen - offensichtlich auch gelungen. Sonst hätte man nicht auf mich geschossen."

Als zwei Polizisten die Badezimmertür gewaltsam öffneten, weil sie vermeinten, dort sei etwas passiert, "bin ich kreischend aus der Dusche gesprungen", schilderte die 37-Jährige. Sie behauptete, keine Stichbewegungen gemacht zu haben. Die Beamten seien davon, sie hinterher gelaufen. Dann fielen Schüsse. "Sie wollte sich verteidigen. Sie hat wahnsinnige Angst gehabt", betonte der Verteidiger.

Polizist: "Wuchtige Stichbewegungen"

Man habe die Frau zunächst hysterisch schreien gehört, gab ein 28-jähriger Polizist, der bei dem Einsatz Anfang März in der Wohnung der 37-Jährigen war, zu Protokoll: "Wir sind dann rein, weil wir keine Schreie mehr vernommen haben und davon ausgegangen sind, dass etwas passiert sein könnte." Im Badezimmer sei die Frau plötzlich mit den Messern aus der Duschkabine gesprungen: "Sie war bereit, um mich anzugreifen. Ich hatte weder Zeit den Pfefferspray noch die Waffe zu ziehen. Es war einfach zu spät. Ich habe nur mehr versucht, die Messer, die gegen meine Stirn gerichtet waren, abzuwehren." Es habe sich um "wuchtige Stichbewegungen" gehandelt, betonte der Polizist.

Unklar ist, ob der Polizist, der neun Mal auf die 37-Jährige geschossen hatte, vor Gericht gestellt wird. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien erklärte, sind die Erhebungen gegen den Schützen mittlerweile abgeschlossen. Der entsprechende, der Amtsverschwiegenheit unterliegende Vorhabensbericht, der entweder die Verfahrenseinstellung oder einen Antrag auf Bestrafung enthält, wird derzeit von der Oberstaatsanwaltschaft geprüft.

(APA)

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