Junge kritisieren „Ignoranz“ der Politik

16- bis 19-jährige Wiener sehen die Debatte um das Parkpickerl als Symbol der Ignoranz der Politik und finden, die Politik mische sich zu sehr ein. Bei der Repräsentativumfrage wurden 400 Wiener befragt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien/Red./Ks. Die Wiener Jugendlichen halten wenig von der Debatte rund um das Parkpickerl, schlimmer noch: Für die 16- bis 19-Jährigen ist sie gar ein Symbol der Ignoranz der Politik gegenüber den Interessen der Bürger. Zu diesem Ergebnis kommt die Jugendstudie Wien 2012 vom Institut für Jugendkulturforschung.

Bei der Repräsentativumfrage wurden 400 Wiener Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren von Mitte August bis Anfang September befragt. 60 Prozent der Befragten stimmen demnach der Aussage zu, dass die Betroffenen vor der Einführung des Parkpickerls befragt werden sollten. 25 Prozent stimmen dem „eher zu“. Für die Jugendlichen ist laut Studienautor Bernhard Heinzlmaier dieses Ergebnis ein exemplarisches Beispiel dafür, dass „für die Politik zuerst die eigenen ideologischen Interessen kommen und erst danach die Bedürfnisse und Überzeugungen der Bürger“.

50 Prozent der Jugendlichen sind der Auffassung, dass sich die Politik zu stark in die Lebenswelt der Menschen einmische.

 

FP, SP verlieren, Grün gewinnt

Generell gehen die Wiener Jugendlichen bei der Studie mit der Politik hart ins Gericht. Ein Verschwinden der politischen Kategorien „rechts“ und „links“ – fast die Hälfte der Befragten ordnet sich in der Mitte ein –, politische Desorientierung, Skepsis gegenüber der repräsentativen Demokratie sowie Sympathien für direkte Formen der Partizipation sind ebenso Ergebnisse der Studie.

Und: Auch parteipolitisch hat sich in den letzten zwei Jahren einiges geändert. Die Wiener FPÖ hat demnach mehr als die Hälfte der jungen (potenziellen) Wähler verloren. Auch die SPÖ musste Verluste hinnehmen. Die Grünen haben von der Wiener Regierungsbeteiligung laut Umfrage profitiert. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund schneiden sie aber schlechter ab als die SPÖ.

Generell sehen die befragten Jugendlichen die persönliche Zukunft positiv, die gesellschaftliche hingegen eher negativ.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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