Wie die Denkmäler ins Netz kamen

Durch Einsatz von Wikipedia und YouTube will das Denkmalamt sein verstaubtes Image loswerden. Bisher 37.000 denkmalgeschützten Gebäude mit Fotos und Geodaten erfasst. Gegner wie den ORF beeindruckt das nicht.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wenn sie es sich aussuchen könnte, würde Barbara Neubauer den „Tag des Denkmals“ in Österreich künftig so nennen, wie ihn der Europarat seit zwanzig Jahren bezeichnet: „Heritage Day“ – Tag des Erbes, des kulturellen nämlich. Denn nur zu diesem Zweck seien Kirchen, Museen und sogar Trabrennbahnen oder Schiffsdieselmotoren denkmalgeschützt: um Architektur, Design und Technik einer bestimmten Zeit zu erhalten. Neubauer, seit vier Jahren Präsidentin des Denkmalamtes, will ihr Metier nicht mit staubigen Gebäuden oder verfallenden Kirchen assoziiert sehen, sondern mit Geschichte(n) rund um die einzelnen Bauwerke.

Um das immer noch verstaubte Image des Denkmalamtes abzustreifen, werden nicht nur ein Mal pro Jahr am „Tag des Denkmals“ hunderte sonst unzugängliche Gebäude geöffnet, nein, seit Kurzem sollen dabei auch neue Medienkanäle helfen. Ein eigenes YouTube-Video soll vor allem Kinder für den Tag des Denkmals begeistern. Und in einer ziemlich aufwendigen Kooperation zwischen Wikipedia Österreich und den Beamten des Denkmalamtes wurden seit 2011 fast 85 Prozent der 37.000 denkmalgeschützten Gebäude in Österreich mit Fotos und Geodaten erfasst. Ein Projekt, das nicht nur dem Denkmalamt zu mehr Sichtbarkeit verhilft, sondern auch den Österreichern unter den Wikipedianern einen Achtungserfolg eingebracht hat.

 

Wrabetz ätzt, Denkmalamt beschwichtigt

Aktionen wie die Wikipedia-Kooperation und das YouTube-Video können in der Bevölkerung Interesse für das eigene Kulturerbe wecken. Was sie aber nur bedingt können: Das Image des Denkmalschutzes unter jenen Menschen verbessern, die direkt davon betroffen sind – die Eigentümer denkmalgeschützter Häuser. Wie leicht es ist, das Denkmalamt für Verzögerungen beim Um- oder Ausbau eines Gebäudes verantwortlich zu machen, war zuletzt beim ORF zu beobachten. Die Chefetage des öffentlich-rechtlichen Senders nahm den Denkmalschutz gerne als Ausrede dafür her, dass sich die Entscheidung in der Standortfrage immer weiter verzögerte. ORF-Chef Alexander Wrabetz bezeichnete den Denkmalschutz Anfang Juli per se als „idiotisch“, weil er jedenfalls eine Wertminderung für das Gebäude am Küniglberg bedeute. Ein Irrtum, dem Neubauer vehement widerspricht. Wrabetz jedenfalls tönte: „Ohne Denkmalschutz wären wir doch schon längst weg.“ Seit Anfang September steht fest: Der ORF bleibt am Küniglberg in Hietzing, doch wieder brachte Wrabetz den Denkmalschutz ins Spiel. Nur wenn es der erlaube, neben dem von Roland Rainer erbauten, denkmalgeschützten Bauteil I einen weiteren Komplex hinzustellen, bleibe man. Neubauer sagt zwar, es würde dazu derzeit noch kein konkretes Projekt vorliegen, stellt aber in Aussicht: „Umbauten und Zubauten sind dort jedenfalls möglich“.

Womit sie mit der immer noch weitverbreiteten Mär aufräumen will, „wenn ich ein Denkmal besitze, darf ich keinen Nagel einschlagen. Dabei geht es im Denkmalschutz nicht darum, nichts zu verändern – sogar der Stephansdom wird verändert; und damit meine ich nicht restauriert.“

Tipps zum Tag des Denkmals

Insgesamt 275 Denkmale kann man morgen, Sonntag, am Tag des Denkmals in ganz Österreich besichtigen. Drei Empfehlungen:

Deutschmeisterpalais in Wien: Das wunderschöne Ringstraßenpalais am Parkring wird vom Opec Fund genutzt und ist sonst für Besucher unzugänglich. Führungen: 11, 13, 15h.
Hotel Daniel: Seit 2011 ist das von Georg Lippert 1962 erbaute Gebäude ein Hotel. Es gilt als eines der innovativsten Objekte der österreichischen Nachkriegsmoderne. Führungen: stündlich zwischen 12.30 und 17.30h.

Schlosspark Leopoldskron in Salzburg: Der Garten des Schlosses von Max Reinhardt ist nur heute von 10–16h zugänglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2012)

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